
Am 29. August 2025 startet an der Universität Kassel ein zukunftsweisendes Projekt zur Untersuchung der urbanen Klimabedingungen in der Stadt. Das Kassel Urban Climate Observation Network (KUCON) wird in der Stadt implementiert, um die Wechselwirkungen von Bebauung, Vegetation, Relief und klimatischen Bedingungen besser zu verstehen. Prof. Dr. Britta Jänicke leitet dieses Vorhaben und betont die wachsende Relevanz des Städtischen Wärmeinsel-Effekts in Kassel, der eine direkte Folge des globalen Klimawandels darstellt. Besonders betroffen sind Stadtteile wie Vordere Westen und Innenstadt, die durch ihre dichte Bebauung und den Mangel an Grünflächen geprägt sind.
In den letzten Jahren hat sich die Anzahl der Tropennächte, also Nächte mit Temperaturen über 20 Grad Celsius, signifikant erhöht. Diese Entwicklung ist alarmierend und erfordert präzise Daten, um gezielte Anpassungsstrategien für eine klimaresiliente Stadtplanung zu entwickeln. Die Messstationen, die mit Hilfe bestehender städtischer Infrastrukturen, wie Straßenlaternen, installiert werden, messen grundlegende meteorologische Parameter wie Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschlag. Diese Daten sollen zunächst einem Forschungsteam zur Verfügung gestellt werden, mit der Perspektive einer späteren öffentlichen Zugänglichkeit.
Städtische Wärmeinsel und ihre Auswirkungen
Wie der Wetterdienst berichtet, führen städtische Gegebenheiten, wie unterirdische Bebauung oder dichte Bebauung, oft dazu, dass Städte wärmer sind als ländliche Gebiete. Diese urbanen Wärmeinseln sind nicht nur unangenehm für die Bewohner, sondern sie haben auch erhebliche Auswirkungen auf das lokale Klima. Die Verdunstung wird in städtischen Gebieten reduziert, was die Luftfeuchtigkeit senkt und die Wahrscheinlichkeit von Nebelbildung verringert.
Temperaturunterschiede zwischen Stadt und Umland können bis zu 5 Grad Celsius betragen. Dies hat zur Folge, dass die Abkühlung der Wohnräume während der Sommernächte problematisch wird. Die speichernde Wirkung von städtischem Gelände führt dazu, dass tagsüber gespeicherte Wärme erst spät abends an die Umgebung abgegeben wird, was die nächtlichen Temperaturen weiter ansteigen lässt.
Gegenmaßnahmen und Herausforderungen
Um den Gefahren der städtischen Wärmeinsel entgegenzuwirken, werden verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen. Dazu zählen die Verringerung der absorbierten Sonnenenergie durch helle Anstriche, die Erhöhung der Verdunstung durch gezielte Begrünung sowie die Schaffung städtischer Wasserflächen. Diese Ansätze bergen jedoch auch Risiken, wie etwa die mögliche Zunahme von Stechmücken durch neue Gewässer. Zudem kann ein erhöhter Baumanteil sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Luftqualität und die Ozonbildung haben.
Das Projekt KUCON ist auf eine Laufzeit von zunächst fünf Jahren angelegt, mit der Möglichkeit einer Verlängerung. Zusammen mit den studentischen Mitarbeitern Till Wiesehoff und Max Gaußmann sowie Doktorand Shakir Ahmed wird Prof. Dr. Britta Jänicke an den Grundlagen einer besseren Stadtplanung arbeiten, um die Herausforderungen des Klimawandels zu meistern und die Lebensqualität der Kasseler Bevölkerung zu verbessern. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten maßgeblich zur Schaffung klimafreundlicher Städte beitragen und somit einen wichtigen Schritt in der Anpassung an die Folgen des Klimawandels darstellen.