
Die Technische Universität Braunschweig ist nicht nur eine Institution für Bildung, sondern auch ein Ort, an dem Geschichte lebendig wird. Im Rückblick auf 70 Jahre seit der Nachkriegszeit zeigt sich, wie stark das Studium von persönlichen Geschichten geprägt ist. Besonders die Erinnerungen von Studierenden wie Hans-Joachim Hartwig sind ein Fenster in diese bewegende Epoche.
Hartwig, der von 1949 bis 1954 an der TU Braunschweig studierte und 1954 sein Ingenieursstudium mit Diplom abschloss, repräsentiert die Herausforderungen und Erfolge jener Zeit. Dies berichtet das Magazin der TU Braunschweig. Seine Tochter, Christine Hartwig-Thürmer, hat kürzlich Dokumente und Fotos über das Leben ihres Vaters an das Universitätsarchiv übergeben. Diese Überlieferungen beinhalten nicht nur Prüfungsakten, sondern auch Mietquittungen aus den frühen 1950er Jahren sowie Fotos von Hartwigs bedeutendstem Projekt, der Kaiserleibrücke.
Studierendenleben in der Nachkriegszeit
Die Nachkriegszeit stellte für viele Studierende, darunter auch Hartwig, eine Zeit des Aufbaus und der Unsicherheit dar. Viele Universitäten befanden sich in einem stark beschädigten Zustand, und die Lehrbücher waren rar. Dies wird auch in der historischen Analyse zur Universität in der Nachkriegszeit deutlich. Der Lehrbetrieb begann nach dem Zweiten Weltkrieg im Wintersemester 1945/46 und war von Herausforderungen wie der Notwendigkeit von Entnazifizierungsmaßnahmen geprägt. In Braunschweig, wie an vielen anderen Universitäten, waren die Studierenden gefordert, an einem neu zu gestaltenden Hochschulsystem mitzuwirken.
Der Bereich Bauingenieurwesen, in dem Hartwig tätig war, spielte eine Schlüsselrolle beim Wiederaufbau der Infrastruktur. Bauingenieure entwickelten Lösungen für komplexe Projekte und trugen durch den Einsatz nachhaltiger Materialien aktiv zum Umweltschutz bei. Die TU Braunschweig hebt hervor, dass der Studiengang Bauingenieurwesen den Studierenden Fähigkeiten in Planung, Konstruktion und Umweltschutz vermittelt.
Christine Hartwig-Thürmer nutzte die Gelegenheit, bei der Übergabe ihrer Vaters Unterlagen auch einen Einblick in das Campusleben der damaligen Zeit zu bekommen. Ihr Interesse zeigt, wie die heutige Generation die Vergangenheit wertschätzt und sich mit den Herausforderungen der Vorfahren identifiziert. In ihrer Schrift über das Leben ihres Vaters in der Nachkriegszeit beleuchtet sie die sozialen und akademischen Rahmenbedingungen, unter denen die Studierenden lebten und arbeiteten.
Ein Erbe der Innovation und des Wandels
Hans-Joachim Hartwig hinterließ ein bemerkenswertes Erbe. Unter seiner Bauleitung entstand zwischen 1960 und 1964 die Kaiserleibrücke, ein bedeutendes Infrastrukturprojekt und Teil der Autobahn A661. Seine Dokumente, die nun im Universitätsarchiv verwahrt werden, bilden einen wichtigen Teil der Geschichte der Technischen Universität Braunschweig und der deutschen Hochschullandschaft insgesamt.
Der Wiederaufbau der deutschen Universitäten, beginnend nach dem Zweiten Weltkrieg, war von der Entwicklung neuer Lehrpläne, der Gründung studentischer Verbände und der Schaffung eines neuen formalen Rahmenwerks geprägt. Hartwig und Generationen von Studierenden trugen dazu bei, die Basis für ein modernes Bildungssystem zu legen, das Flexibilität und Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellt.
Die Überlieferungen, die Christine Hartwig-Thürmer dem Universitätsarchiv übergeben hat, sind nicht nur eine Hommage an ihren Vater, sondern auch ein Dokument des Wandels, in dem Studierende durch Engagement und Innovation die Grundlagen für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Baukultur schaffen.