Am 2. März 2026 wurde die Masterarbeit von Janika Volkamer an der Universität Kassel vorgestellt, die sich eingehend mit Agroforstsystemen (AFS) befasste. Ihr Ziel war es, die Potenziale des Anbaus von Sonderkulturen in Baumstreifen dieser Systeme zu untersuchen. Agroforstsysteme gelten als effektive und klimaschutzwirksame landwirtschaftliche Bewirtschaftungsmethode, da sie aktuelle Flächen in Baumstreifen umwandeln und so ungenutzte landwirtschaftliche Flächen nutzen.
Die Arbeit „Potenzial des Anbaus von Sonderkulturen in Baumstreifen von Agroforstsystemen“ konzentrierte sich auf die Fallstudie des Biolandbetriebs Werragut in Nordhessen. Bei dieser Untersuchung sollte die Nutzung der Flächen durch den Anbau von Pflanzen wie Beerensträucher, Kürbis oder Edelpilze weitergeführt werden. Diese Form der landwirtschaftlichen Nutzung zielt darauf ab, die ökologischen, ökonomischen und sozialen Säulen der Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen.
Nachhaltigkeit und Ökowirtschaft
Die Ergebnisse der Analyse flossen in einen Umsetzungsvorschlag für den Biolandbetrieb Werragut ein, während dieser testweise mit dem Anpflanzen von Johannisbeeren und Rhabarber in den Baumstreifen begann. Im Anschluss an ihren Masterabschluss wird Volkamer als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt SALIX AFS tätig sein, welche die Etablierung und nachhaltige Produktion geeigneter Weidentypen zum Ziel hat. Diese Weiden dienen als Rohstoffe für verschiedene industrielle Anwendungen, darunter Weidenholz und Weidenrinde, die beispielsweise für medizinische und kosmetische Zwecke genutzt werden.
Das Projekt betrachtet die gesamte Wertschöpfungskette vom Anbau bis zum Endprodukt und verspricht kurzfristige Einnahmen für Landwirte durch die regelmäßige Ernte der Weiden. Der Hintergrund für diese Forschungsarbeit ist der BioThesis – Forschungspreis der Bio-Lebensmittelwirtschaft, unterstützt von verschiedenen Organisationen und Unternehmen der AöL.
Vorteile von Agroforstsystemen
Der NABU hebt in seinen Hintergrundinformationen hervor, dass Agroforstsysteme die Kombination von Ackerkulturen oder Grünlandnutzung mit Gehölzen darstellen, ohne die landwirtschaftliche Fläche erheblich zu reduzieren. Dadurch wird nicht nur die Biodiversität gefördert, sondern auch der Klimawandel abgemildert. Gehölzstreifen werten strukturarme landwirtschaftliche Flächen auf, indem sie Lebensräume schaffen und die Resilienz gegenüber extremen Wetterereignissen erhöhen.
Durch die Kombination aus Acker- und Grünlandnutzung steigern Agroforstsysteme die Bodenfruchtbarkeit, fördern das Bodenleben durch Humusaufbau und tragen zur Verbesserung der Wasser- und Nährstoffversorgung bei. Der NABU empfiehlt eine enge Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Naturschutzorganisationen, um die Vorteile agroforstlicher Praktiken optimal zu nutzen und wertvolle Lebensräume zu schützen.
Wissenschaftlich belegte Vorteile zeigen sich unter anderem in der Erosionsminderung und der Verbesserung des Landschaftsbildes, was in der Gesellschaft auf hohe Akzeptanz stößt. Zudem äußert sich ein wachsendes Interesse an Agroforstsystemen in Deutschland, nicht zuletzt aufgrund der Klimakrise und des Bedarfs an nachhaltigen Landwirtschaftspraktiken. Laut dem Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) wirkten Agroforstsysteme bereits im 19. Jahrhundert und erleben seit den letzten Jahren eine Renaissance in der modernen Landwirtschaft.
Aktuell sind in Deutschland 203 Agroforstsysteme mit einer Fläche von insgesamt 1.703 Hektar registriert, wobei Brandenburg die größte Fläche aufweist. Die Bundesregierung plant, die Agroforstflächen als Teil des Klimaschutzprogramms 2030 und der Ackerbaustrategie 2035 auszubauen, mit einem Ziel von 11.500 Hektar Agroforstgehölzfläche bis 2027.
Insgesamt zeigt die Masterarbeit von Janika Volkamer nicht nur die vielfältigen Potenziale von Agroforstsystemen auf, sondern auch die Notwendigkeit und Vorteile ihrer Etablierung in einem modernen Landwirtschaftsmodell. Die Integration von ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten in die Landnutzung könnte ein entscheidender Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Zukunft sein.