Immer mehr Schüler*innen in Schleswig-Holstein leiden unter häufigen Fehlzeiten, die akut ein handlungsbedürftiges Problem für die Bildungspolitik darstellen. Eine aktuelle Untersuchung des Projekts SANSCHO (Schulbesuch und Schulabbruch in Schleswig-Holstein), das von der Europa-Universität Flensburg und der Universität Leipzig durchgeführt wird, beleuchtet die Hintergründe und Faktoren, die zu diesen Fehlzeiten führen.

Bereits 8% der Neuntklässler*innen an Gemeinschaftsschulen fehlten im vergangenen Schuljahr über 40 Tage im Unterricht. An diesen Schulen ist die Fehlquote besonders hoch, wobei nahezu die Hälfte der Schüler*innen regelmäßig nicht am Unterricht teilnimmt. Diese besorgniserregenden Zahlen zeigen, dass trotz gesunkener Werte bei den Fehlzeiten, ein dringender Handlungsbedarf vom Bildungsministerium Schleswig-Holstein erkannt wird.

Ursachen des Schulabsentismus

Die Untersuchung mit über 5.500 befragten Schüler*innen und mehr als 500 Lehrkräften hat herausgefunden, dass emotionale und soziale Schwierigkeiten häufig eine große Rolle spielen. Schüler*innen mit hohen Fehlzeiten fühlen sich oft unwohl in ihrer Schulumgebung. Besonders bemerkenswert ist der Unterschied im Verhalten zwischen den Geschlechtern: Mädchen vermeiden den Schulbesuch häufig aus Angst, während Jungen tendenziell häufiger ohne Wissen der Eltern schwänzen. Zudem zeigen Schüler*innen, die sich nicht als männlich oder weiblich identifizieren, besonders hohe Fehlzeiten und berichten von einem geringeren schulischen Wohlbefinden.

Die Gründe für diese Entwicklungen sind vielfältig. Probleme im Elternhaus und Überforderung durch das Schulsystem zählen zu den häufigsten Ursachen. Erste Anzeichen für Schulunwohlsein treten bereits in der Grundschule auf, wobei körperliche Beschwerden wie Bauchschmerzen und Kopfschmerzen festgestellt werden. Solche Symptome sind Warnhinweise, die auf ein ernsthaftes Problem hinweisen können.

Handlungsansätze und Unterstützungsmaßnahmen

Um den Schulabsentismus eindämmend entgegenzuwirken, wünscht sich Bildungsministerin Stenke eine aktive Rolle der Lehrer*innen. Gespräche mit betroffenen Schüler*innen und deren Eltern sollen intensiviert werden, um eine engere Betreuung zu schaffen. Ein konkreter Handlungsansatz liegt auch in der Schaffung eines positiven Schulumfelds, das ein Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit fördert.

Im Rahmen des Projekts SANSCHO, das mit rund 691.000 Euro vom Bildungsministerium gefördert wird, fließen neben quantitativen Fragebögen auch qualitative Interviews mit Lehrkräften, Schüler*innen und Eltern in die Untersuchung ein. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Verbesserung der Unterstützung für betroffene Schüler*innen und Schulen. Die abschließenden Ergebnisse der Studie werden im kommenden Jahr präsentiert.

Die politischen Akteure zeigen sich besorgt über die Situation und fordern präventive Maßnahmen sowie eine engere Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe und Schulpsychologie. Als Beispiel für erfolgreiche Initiativen wird eine Gemeinschaftsschule in Brunsbüttel erwähnt, in der zwei Schulsozialarbeiter*Innen sich intensiv um Schüler*innen kümmern, die nicht regelmäßig zur Schule kommen.