Eine aktuelle Studie, durchgeführt von Professorinnen Eva-Marie Kessler und Lisa Marie Warner an der Medical School Berlin im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, beleuchtet die Diskrepanz zwischen der gesellschaftlichen Erwartung, dass ältere Menschen körperlich aktiv bleiben sollten, und dem tatsächlichen Bewegungsverhalten dieser Altersgruppe. Die Untersuchung, die im Jahr 2002 veröffentlicht wurde, zeigt auf, dass die Zustimmung zu dieser Norm bei älteren Befragten überproportional ausgeprägt ist, während die reale körperliche Aktivität mit steigendem Alter abnimmt.
Die Studie befragte Menschen ab 16 Jahren und stellte fest, dass insbesondere ab einem Alter von 75 Jahren die Norm-Verhaltens-Lücke dramatisch wächst. Dies bedeutet, dass die Akzeptanz der gesellschaftlichen Erwartung für viele ältere Menschen nicht in konkret umgesetztes Bewegungsverhalten mündet. Laut den Forschern nimmt der Anteil der ausreichend aktiven Personen, gemäß den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), in höheren Altersgruppen signifikant ab.
Gesellschaftliche Erwartungen und Ursachen für die Diskrepanz
Die Autorinnen verdeutlichen, dass gesellschaftliche Erwartungen allein nicht ausreichen, um Bewegungsverhalten im Alter zu fördern. Mögliche Ursachen für die beobachtete Diskrepanz sind negative Altersbilder und ein Mangel an altersgerechten Bewegungsangeboten. Laut Robert Koch-Institut, das in seinen Veröffentlichungen ebenfalls auf die Bedeutung von körperlicher Aktivität für ein längeres und gesünderes Leben hinweist, geraten ältere Menschen oft in einen Teufelskreis, wenn es um die Teilnahme an Bewegungsprogrammen geht.
Die Zustimmung zu der Norm, dass ältere Menschen aktiv bleiben sollten, wird in einer weiteren Studie aus dem Jahr 2022 deutlich. Diese ist Teil eines umfassenderen Projekts, das sich mit Vorstellungen und Bewertungen der Bevölkerung in Deutschland zu älteren Menschen beschäftigt. Hierbei zeigt sich, dass 95 % der Befragten der Meinung sind, dass ältere Menschen körperlich aktiv bleiben sollten. Gleichzeitig glauben 41 %, dass sie sich mit ihrem Alter abfinden sollten. Diese widersprüchlichen Ansichten verdeutlichen die Herausforderungen, vor denen ältere Menschen stehen.
Zusammenfassung der Erkenntnisse
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie sind:
- Ältere Befragte haben eine stärkere Zustimmung zur Norm, aktiv bleiben zu müssen, im Vergleich zu jüngeren Befragten.
- Die tatsächliche körperliche Aktivität nimmt mit zunehmendem Alter ab.
- Negative Altersstereotype und der Mangel an altersgerechten Bewegungsangeboten spielen eine zentrale Rolle.
Die Erkenntnisse der Studienautoren bieten wichtige Impulse für zukünftige Forschungsarbeiten, Präventionsmaßnahmen und die Gestaltung von Bewegungsangeboten für ältere Menschen. Es ist entscheidend, dass die Gesellschaft nicht nur ein Bewusstsein für die Notwendigkeit körperlicher Aktivität schafft, sondern auch Angebote implementiert, die dem Alter und den Bedürfnissen der älteren Bevölkerung gerecht werden.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass eine umfassende Sensibilisierung für dieses Thema erforderlich ist, um die Kluft zwischen Anspruch und Realität zu schließen und eine aktive Lebensweise für ältere Menschen zu fördern.