Am 15. Februar 2026 fand an der Bauhaus Universität Weimar ein interdisziplinärer Workshop statt, der sich intensiv mit dem Thema Antisemitismus und dessen Verknüpfung zur universitären und gesellschaftlichen Kultur auseinandersetzte. Rund 30 Teilnehmende, darunter Professoren, Wissenschaftler und Studierende, konnten inspirierende Vorträge und lebhafte Diskussionen verfolgen. Prof. Peter Benz, Präsident der Universität, eröffnete die Veranstaltung mit einem Grußwort, gefolgt von einer Einführung durch Dr. Gottfried Schnödl und Prof. Dr. Eva Krivanec.

Der erste Vortrag von Prof. Dr. Jens Christian Wagner thematisierte die „Entgleiste Debatte“ rund um den israelisch-palästinensischen Konflikt, insbesondere in Hinblick auf den 80. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald. Hierbei wurde die Einladung und die anschließende Ausladung von Omri Boehm, Professor für Philosophie an der New School for Social Research in New York, diskutiert. Wagner beleuchtete die Rolle der beteiligten Institutionen und die Beziehung zur Erinnerungskultur.

Antisemitismus in der Queerforschung

Ein weiterer wichtiger Beitrag kam von Dr. Franziska Haug, die in ihrem Vortrag die Rolle des Antisemitismus in queerfeministischen Debatten untersuchte. Sie analysierte die Diskrepanz zwischen identitären Zuschreibungen und antisemitischen Denkfiguren innerhalb der Queerforschung und wies darauf hin, dass die Kritik an kapitalistischen Gesellschaften zunehmend an Bedeutung verliere. Dies korreliert mit den Beobachtungen von Corinne E. Blackmer, die auf die Verbindung von LGBTQ-Studien und Antizionismus an amerikanischen Universitäten hinwies und die Auswirkungen auf die Sicherheit jüdischer Queers dokumentierte. Blackmer erforschte, wie Antizionismus und Antisemitismus an Universitäten häufig verharmlost werden, während die Sicherheitsbelange von LGBTQ-Studierenden ernst genommen werden, was zu einer weiteren Marginalisierung jüdischer Stimmen führt.

Im Rahmen der Diskussionen um Antisemitismus wurden auch antisemitische Denkmuster im arabischen Raum thematisiert. Prof. Dr. Stephan Grigat führte in seinem Vortrag eine kritische Theorie des Nahost-Konflikts ein. Er beleuchtete die Kontinuität antisemitischer Denkmuster, die die Beschäftigung mit Israel prägen. Des Weiteren wurde in einem Vortrag von Dr. Christoph David Piorkowski der Begriff des „Antisemitismus des guten Gewissens“ vorgestellt, der die moralische Überlegenheit sowie mangelnde Proteste gegen die Hamas zur Diskussion stellte.

Kritische Reflexionen und Abschlussdiskussion

Dr. Peggy H. Breitenstein sprach über die antisemitischen Auslassungen im Zusammenhang mit der Ehrung von J. F. Fries durch die Stadt Jena und legte eine Initiative zur Problematisierung dieser Ehrung vor. Am zweiten Tag des Workshops dokumentierte Dr. Susanne Zielinski antisemitische Handlungen innerhalb akademischer Strukturen in Thüringen. Ihre Ergebnisse stellten die Herausforderungen dar, denen jüdische Studierende an Universitäten gegenüberstehen.

Die Vorträge wurden durch einen Beitrag von Prof. Dr. Eva Krivanec ergänzt, die eine Verbindung zwischen Mordfällen der Zwischenkriegszeit in Wien und der Dreyfus-Affäre aufzeigte. Am Ende des Workshops fand eine abschließende Diskussion statt, in der mögliche Wege zur Bekämpfung des Antisemitismus diskutiert wurden. Das Organisationsteam bedankte sich bei allen Teilnehmenden für ihre wertvollen Beiträge und Anregungen.

Der Workshop an der Bauhaus Universität Weimar spiegelt die aktuellen gesellschaftlichen und akademischen Herausforderungen wider und verdeutlicht die Notwendigkeit, Antisemitismus in seinen verschiedenen Formen offen zu thematisieren und zu bekämpfen. uni-weimar.de berichtet von diesen relevanten Themen, während queernations.de über die spezifischen Verbindungen zwischen Antisemitismus und LGBTQ-Studies beleuchtet.