Die Universität Bonn gab heute die Gründung einer neuen Forschungsgruppe mit dem Titel „Epistemologie des Göttlichen“ bekannt. Diese Gruppe widmet sich der Erforschung der Entstehung des Monotheismus im Alten Palästina und Israel des ersten Jahrtausends vor Christus. Im Mittelpunkt der Forschung steht die Analyse der Denkstrukturen, die den Gottesbildern der vor-hellenistischen Zeit zugrundeliegen. Prof. Dr. Jan Dietrich von der Evangelisch-Theologischen Fakultät wird die Gruppe leiten und setzt dabei auf ein interdisziplinäres Vorgehen.
Für ihre Untersuchungen plant die Forschungsgruppe, eine Vielzahl von Quellen zu nutzen, darunter biblische und außerbiblische Texte sowie archäologische Funde. Dazu gehören etwa 30 Tempelanlagen, die für die Analyse von großer Bedeutung sind. Um ihre Ziele zu erreichen, kommen zeitgemäße Methoden der Religionsarchäologie, digitale Werkzeuge, sowie soziale epistemische Netzwerkanalyse (SENA) zum Einsatz. Insbesondere wird Künstliche Intelligenz (KI) zur Bilderkennung eingesetzt, um relevante Strukturen und Standardisierungen zu identifizieren.
Nutzung moderner Technologien und interdisziplinäre Zusammenarbeit
Das Hauptziel der Forschungsgruppe ist es, zur Wissensgeschichte der Vormoderne beizutragen und Denkstrukturen zu rekonstruieren. Die Gruppe wird im Juli 2026 ihre Arbeit aufnehmen und erhält dafür fast zwei Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Ein bedeutender Aspekt ist auch die Zusammenarbeit mit den Universitäten Leipzig, Wuppertal und Wien, die Teilprojekte im Rahmen dieser Initiative durchführen werden. Die Kooperation wird durch den österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) unterstützt. Dies kann im Erfolgsfall um vier Jahre verlängert werden.
Zusätzlich zur „Epistemologie des Göttlichen“ kündigte die Universität Bonn auch die Einrichtung einer weiteren Forschungsgruppe mit dem Titel „Learning Empire“ an. Diese Gruppe wird sich mit den aktuellen imperialen Praktiken Chinas in den Bereichen Finanzen, Auslandsinvestitionen, Infrastruktur, Rohstoffe, Ideologie und Wissenschaft beschäftigen. Prof. Dr. Tobias ten Brink von der Constructor University Bremen wird auch hier als Sprecher agieren.
Forschung zu Chinas globaler Bedeutung
„Learning Empire“ legt den Fokus auf die digitalen Infrastrukturen chinesischer Unternehmen und deren globale Auswirkungen. Das Projekt wird im Juni 2026 starten und ist mit rund fünf Millionen Euro budgetiert, wobei etwa 490.000 Euro nach Bonn fließen werden. Die beteiligten Institutionen umfassen renommierte Universitäten wie Tübingen, Bremen, die Goethe Universität Frankfurt sowie die Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte.
Ein drittes, ebenfalls bedeutendes Forschungsprojekt an der Universität Bonn ist die Gruppe „RING: Rotationsbewegungen in der Physik, Geophysik und Geodäsie“. Diese Forschungsgruppe hat das Ziel, die Messungen der Erdrotation zu verbessern, was insbesondere für Klimaforschung und Navigation von großer Relevanz ist. Auch hier unterstützt die DFG die Forschung mit rund fünf Millionen Euro, wovon eine Million Euro an die Universität Bonn fließen wird. Prof. Dr. Heiner Igel von der LMU München ist der Sprecher dieses Projekts, welches innovative Entwicklungen wie transportable Laser-Interferometer für schwer zugängliche Orte verspricht.
Die neu gegründeten Forschungsgruppen an der Universität Bonn stehen exemplarisch für eine wissenschaftliche Ausrichtung, die interdisziplinäre Ansätze und technologische Innovationen miteinander verbindet. Diese Initiativen versprechen, wertvolle Erkenntnisse zu liefern, die nicht nur akademisches Interesse wecken, sondern auch wichtige gesellschaftliche Fragen aufwerfen.
Weitere Informationen zu der neuen Forschungsgruppe „Epistemologie des Göttlichen“ können Sie auf der Webseite der Universität Bonn einsehen.



