Am 3. Februar 2026 hatten die Studierenden der Europa-Universität Viadrina die Gelegenheit, den deutschen Botschafter in Polen, Miguel Berger, zu befragen. Der Botschafter, der seit August 2025 in Warschau im Amt ist, entwickelte im Gespräch mit den Studierenden eine Vielzahl von Themen rund um die deutsch-polnische Beziehung und aktuelle geopolitische Herausforderungen.

Das Treffen wurde vom Präsidenten der Viadrina, Prof. Dr. Eduard Mühle, moderiert. Berger sprach über seine Arbeit und die aktuellen Herausforderungen, mit denen Deutschland und Polen konfrontiert sind. Besonders hoben sich die sicherheitspolitischen Aspekte hervor, die im Lichte des russischen Angriffs auf die Ukraine an Bedeutung gewonnen haben. Berger betonte, wie wichtig die Zusammenarbeit in der Sicherheitspolitik zwischen den beiden Ländern sei, insbesondere auch im Hinblick auf die militärische Aufrüstung in Deutschland und der NATO, um Polen vor potenziellen Bedrohungen durch Russland zu schützen.

Die sicherheitspolitische Kooperation

Der Botschafter erwähnte, dass die Zusammenarbeit während der Regierungszeit der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) in der Sicherheitspolitik eher inaktiv war. Dies hat im Laufe der Zeit zu einem gewissen Umdenken in den Beziehungen geführt. Eduard Mühle ergänzte, dass die Viadrina keine militärwissenschaftliche Ausrichtung hat, sondern sich auf die alltägliche Kooperation zwischen Deutschland und Polen konzentriert.

Die Studierenden interessierten sich auch für berufliche Perspektiven im Auswärtigen Amt sowie für die historische Aufarbeitung nach dem Zweiten Weltkrieg. Themen wie Schulbucheinträge, das Deutsch-Polnische Haus und die Errichtung eines Denkmals für polnische Opfer standen ebenfalls zur Diskussion. Berger betonte, dass es seine Aufgabe sei, die offizielle Politik der Bundesregierung zu vertreten und dass der Konsens zwischen den demokratischen Parteien in Deutschland in der Außenpolitik stark ausgeprägt sei.

Rückblick auf die deutsch-polnischen Beziehungen

Eine Studentin berichtete von ihrer Untersuchung der gegenseitigen Einstellungen zwischen Deutschland und Polen. Berger bestätigte, dass das Interesse der jüngeren Generation in Polen an der Aufarbeitung der Geschichte wächst, während in Deutschland vor allem die Zukunft im Fokus stehe. Zudem enttäuschte er die Hoffnung auf eine positive Entwicklung der Sympathiewerte: Diese steigen zwar in Deutschland, sinken jedoch in Polen.

Ein weiteres Thema, das zur Sprache kam, sind die Grenzkontrollen an der Brücke von Frankfurt (Oder) und Słubice. Berger bezeichnete diese Kontrollen als „echtes Ärgernis“ und konnte kein genaues Datum für deren Beendigung nennen. Er verwies jedoch auf den Zusammenhang mit dem Asylpaket und äußerte den Wunsch nach einer schnelleren Lösung dieser Problematik.