
Die Herausforderungen, die ethische Fragestellungen im Medizinbereich mit sich bringen, sind unumstritten und berühren Betroffene, Angehörige und medizinisches Personal auf unterschiedlichen Ebenen. Besonders in kritischen Situationen wie am Lebensende sind solche Fragen häufig von großer Tragweite. Ein neues Angebot soll nun in Brandenburg dazu beitragen, diese Konflikte besser zu bewältigen. Die Juniorprofessur für Medizinische Ethik an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften hat die erste Remote-Ethikberatung ins Leben gerufen, um Patienten sowie deren Angehörige interdisziplinär zu unterstützen. B-TU berichtet, dass bereits etablierte ethische Beratungsangebote nicht überall in Deutschland verfügbar sind, was die Notwendigkeit dieser Initiative unterstreicht.
Die Ethikberatung konzentriert sich auf strukturierte Gespräche, die von qualifizierten Beratern geleitet werden. Diese Gespräche ermöglichen es, moralische Konflikte, die während medizinischer Behandlungen aufkommen, zu klären. An das Beratungsteam, das aus Medizinethikern und erfahrenen Ärzten besteht, können Anfragen gestellt werden, die dann entweder telefonisch oder über eine Website bearbeitet werden. Die Videokonferenzoption erlaubt es, schnell und flexibel auf Anliegen zu reagieren und gegebenenfalls Expertenwissen von weiteren Fachexperten hinzuzuziehen, um eine umfassende Lösung zu erarbeiten.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Das Team der Ethikberatung hat bereits Erfahrungen aus anderen Regionen Deutschlands genutzt, um ein fundiertes Angebot in Brandenburg zu entwickeln. Das Land verfügt über viele dezentrale Versorgungseinrichtungen sowie mehr als 50 Krankenhäuser, die von dieser neuen Form der Beratung profitieren können. Durch die interdisziplinäre Ausrichtung wird versucht, sowohl die Selbstbestimmung als auch die Gesundheitsversorgung der betroffenen Individuen zu berücksichtigen.
Die Ethikberatung ist Teil des Netzwerks Digitale Medizinethik, welches von der VolkswagenStiftung gefördert wird. Dieses Übersetzungsprojekt hat das langfristige Ziel, die Medizinethik in Lehre, Forschung und Beratung zu stärken. Hierzu wird ein Curriculum zur digitalen Medizinethik entwickelt, das sowohl die Medizin- als auch die Informatikausbildung ansprechen soll. Weitere Aspekte umfassen den Aufbau eines Forschungs-Hubs, der die Grundlagenforschung fördert und Wissenschaftler vernetzt sowie digitale Ethikberatungsangebote erprobt.
Ausblick und Ziele
Die Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg wurde 2018 gegründet, um innovative Studiengänge zu entwickeln. Die Laufzeit des Projekts Digitale Medizinethik erstreckt sich von 2022 bis 2027. Die Hochschule kooperiert unter anderem mit dem Institut für Ethik und Geschichte der Medizin an der Eberhard Karls Universität Tübingen, was die Verknüpfung von Wissenschaft und Praxis weiter fördert. Dies zeigt sich auch in anderen Initiativen, wie dem E-cARE-Zukunftsprojekt, das sich mit dem verantwortungsvollen Einsatz von Robotik in der Altenpflege beschäftigt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die neue Remote-Ethikberatung in Brandenburg ein wichtiger Schritt darstellt, um Patienten und deren Angehörigen in schwierigen ethischen Fragestellungen im medizinischen Bereich zu helfen. Indem es Menschen ermöglicht wird, auf einfache Weise Unterstützung zu erhalten, wird ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der medizinischen ethischen Landschaft in der Region geleistet.