Am 5. März 2026 zeigt der aktuelle Bureaucracy Index, dass die deutsche Bundesgesetzgebung seit 2010 einen Rekordanstieg verzeichnet hat. Dr. Stefan Wagner von der Universität Wien, ESMT Berlin und der Online-Plattform buzer.de hat die Daten ausgewertet und festgestellt, dass das Volumen der Gesetzgebung durch standardisierte Seiten in den letzten 15 Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Im Jahr 2026 überstieg der Index das Niveau von 2010 um mehr als 62 Prozent, von 24.765 auf 40.270 standardisierte Seiten.
Dieser besorgniserregende Trend zeigt sich unabhängig von der politischen Partei, die an der Regierung ist. Eine Analyse der Bundeswahljahre belegt, dass keine Legislaturperiode eine Abnahme des Gesamtvolumens der Gesetze verzeichnen konnte. Wagner beschreibt dieses Phänomen als ein strukturelles Wachstum in der Gesetzgebung, das von politischen Wechseln nicht beeinflusst wird. Trotz wiederholter Versprechen zur Vereinfachung und Bürokratieabbau bleibt die Effizienz der gesetzlichen Rahmenbedingungen fraglich.
Wachstum in spezifischen Rechtsbereichen
Eine differenzierte Analyse zeigt, dass das Handelsrecht mit 1.542 zusätzlichen Seiten zwischen 2021 und 2025 das größte Wachstum erfahren hat, was einem Anstieg von 16,5 Prozent entspricht. Auch im Finanzsektor ist eine Zunahme der Regulierung spürbar, was die Komplexität für Unternehmen signifikant erhöht. Wagner betont, dass eine Deregulierung in diesen Rechtsbereichen dringend notwendig sei, um neue Wachstumsimpulse zu generieren.
Im Verteidigungssektor konnte der stärkste relative Anstieg der Gesetzgebung in den letzten fünf Jahren festgestellt werden. Dies steht im Zusammenhang mit der veränderten sicherheitspolitischen Lage aufgrund des Ukraine-Kriegs und der damit verbundenen Kreditgenehmigung der Bundesregierung zur Modernisierung der Streitkräfte. Während in einigen Bereichen wie dem Arbeitsrecht und der öffentlichen Verwaltung ein leichtes Nachlassen des Wachstums zu beobachten ist, bleibt die Gesamtzahl der Gesetze weiterhin auf einem hohen Niveau.
Bürokratieabbau durch die Bundesregierung
Im Bemühen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat die Bundesregierung unter der Leitung von Bundeskanzler Merz bedeutende Entlastungen für Bürger, Unternehmen und die Verwaltung in die Wege geleitet. Bei einer Sitzung des Kabinetts am Mittwoch stand der Abbau und die Vereinfachung bürokratischer Vorschriften im Mittelpunkt. Die Entlastungswirkung durch den Bürokratierückbau beläuft sich bereits auf über drei Milliarden Euro in der laufenden Legislaturperiode, wie bundesregierung.de berichtet.
Geplante Maßnahmen zur Vereinfachung umfassen das „Bau-Turbo“-Gesetz, das Zeit und Kosten beim Wohnungsbau spart, sowie das „Vergabebeschleunigungsgesetz“, welches die öffentliche Auftragsvergabe effizienter gestaltet. Darüber hinaus sind die vollständige Digitalisierung von Kaufverträgen für Immobilien und der elektronische Austausch zwischen Notaren, Gerichten und Behörden bereits angestoßen worden.
Zukunftsausblick
Die Bundesregierung plant zudem über 50 weitere Entlastungsmaßnahmen in den kommenden Monaten. Ziel ist es, die Bürokratiekosten für die Wirtschaft bis zum Ende der Legislaturperiode um 25 Prozent zu senken. Dabei soll der Erfüllungsaufwand für Unternehmen, Bürger und Verwaltung um mindestens zehn Milliarden Euro verringert werden.
Obwohl die Anstrengungen zur Reduzierung der bürokratischen Hürden im Gange sind, zeigen die aktuellen Daten des Bureaucracy Index, dass noch erheblicher Handlungsbedarf besteht. Insbesondere der regulatorische Druck auf Unternehmen in Deutschland könnte die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und die Effektivität der politischen Maßnahmen negativ beeinflussen.