Im Schatten der beeindruckenden Villen am Griebnitzsee, die in den 50er Jahren von der sowjetischen Armee geräumt wurden, entstanden studentische Wohnheime. Diese Umwandlung war ein entscheidender Schritt für die nachfolgende Nutzung der Liegenschaften, die zunächst als Unterkünfte für Studierende und Mitarbeiter der neu gegründeten Akademie für Staats- und Rechtswissenschaften der DDR dienten. Heute bewahrt das Archiv der Universität Potsdam wertvolle Dokumente aus dieser Zeit, darunter Grundstücksakten der Akademie, die Einblicke in den täglichen Betrieb der Wohnheime geben. Dort finden sich Meldungen zu defekten Heizungen, verstopften Toiletten und der Pflege von Bäumen und Sträuchern, sowie spannende Alltagsgeschichten der Bewohner uni-potsdam.de.
Die Akademie, gegründet 1950 und als Quasi-Parteihochschule der SED bekannt, sollte die Ausbildung von Führungskräften im rechtswissenschaftlichen Bereich fördern. Dazu zählte auch eine spezielle juristische Ausbildung, die bis 1963 angeboten wurde. In dieser Zeit wuchs die Akademie zur zentralen Einrichtung für Rechtswissenschaften in der DDR und galt als Konkurrenz zu traditionellen Fakultäten. Ihre Entwicklung beinhaltete auch die Angliederung des Deutschen Instituts für Rechtswissenschaft im Jahr 1959 und eine Reform, die die Aufgaben der Akademie erweiterte wikipedia.org.
Ein Filmdreh, der Spuren hinterließ
Im September 1956 wurde das Studentenwohnheim Karl-Marx-Str. 20 in Potsdam-Babelsberg zum Schauplatz eines DEFA-Drehs. Für den Film „Wo wir nicht sind …“, unter der Regie von Gerhard Klein und dem Drehbuch von Wolfgang Kohlhaase, wurde eine Drehgenehmigung beantragt. Ab diesem Zeitpunkt verwandelte sich der ruhige Wohnort in ein chaotisches Filmset. Die Dreharbeiten zogen sich bis Dezember 1956 und hinterließen etliche Schäden in den Räumlichkeiten, die der Hausmeister am 19. Dezember dokumentierte. Aufgebrochene Türen, beschädigte Fenster und vermüllte Seminar- sowie Studentenräume waren das weniger erfreuliche Ergebnis uni-potsdam.de.
Die Aufräumarbeiten nach dem Dreh beanspruchten nahezu 70 Arbeitsstunden. Dabei mussten nicht nur defekte Aschenbecher und Stühle ersetzt werden, sondern es wurden auch Schlosserarbeiten beauftragt. Die gemeldeten Unkosten von 142,51 DM stellten einen bemerkenswerten Einblick in die Konflikte zwischen Filmproduktion und Alltag dar. Der Film „Berlin – Ecke Schönhauser“, der 1957 schließlich auf den Markt kam, gilt heute als ein prägender deutscher Spielfilm der Nachkriegszeit und umreißt das Lebensgefühl der damaligen Zeit in der DDR wikipedia.org.
Der historische Kontext
Die DEFA spielte eine grundlegende Rolle in der Kultur und Filmproduktion der DDR. Die Institution registrierte zahlreiche Entwicklungen und zeichnete sich trotz politischer Kontrolle durch kreative Freiheit aus. Die Dokumentation der DEFA-Geschichte, die seit dem Jahr 1996 besteht, listet Ereignisse, Filme und Strukturen auf, die das Filmwesen der DDR prägten. Eine der bedeutendsten Quellen stammt aus den Publikationen des Filmmuseums Potsdam, das viele Informationen über die DEFA und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft liefert defa-stiftung.de.
Heute sorgt die sorgfältige Archivierung dieser Dokumente an der Universität Potsdam nicht nur für ein besseres Verständnis der Vergangenheit, sondern auch für eine Wertschätzung der kulturellen Erbes, das diese Institution und ihre Umgebung geprägt haben. Die Begegnung zwischen Kunst und Alltag, wie sie durch die Filmproduktion im Studentenwohnheim sichtbar wurde, bildet bis heute einen spannenden Anknüpfungspunkt für Historiker und Film-interessierte gleichermaßen.