Christian Leineweber, ein renommierter Bildungstheoretiker und Medienpädagoge, hat von der FernUniversität in Hagen die Venia Legendi erhalten. Seit seinem Eintritt in die Institution im Jahr 2013 hat er mit einem interdisziplinären Ansatz im Bereich der Pädagogik und Soziologie einen bedeutenden Einfluss ausgeübt. Leineweber, der zuvor zehn Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war und eine Zeit lang als Vertretungsprofessor an der Universität Münster arbeitete, habilitierte sich im November 2025 in Erziehungs- und Bildungswissenschaft.
Sein Forschungsschwerpunkt sind Bildungsprozesse in einer zunehmend digitalisierten Welt. Dabei legt Leineweber besonderen Wert auf die Auswirkungen dieser Prozesse auf individuelle Autonomie und Entscheidungsfreiheit. Dies beinhaltet eine kritische Analyse der digitalen Bildung und der damit verbundenen Chancen und Risiken. „Die Diskussion um digitale Bildung umfasst sowohl die positiven Aspekte als auch die Herausforderungen, die mit neuen Technologien einhergehen“, erklärt Leineweber.
Herausforderungen der digitalen Bildung
In seiner Habilitationsschrift behandelt Leineweber die Frage der Autonomie und selbstbestimmten Lernprozesse in der digitalen Gesellschaft. Dabei untersucht er, wie gesellschaftliche Probleme mit der Überforderung junger Menschen aufgrund neuer Freiheiten und damit einhergehendem Leistungsdruck verknüpft sind. „Digitale Bildung ist oft wettbewerbs- und ergebnisorientiert, was zu Orientierungslosigkeit führen kann“, so der Experte.
Ein zentraler Punkt in Leinewebers Forschung ist die Forderung nach Selbstreflexion über individuelle Wünsche und Lebensziele. Bildungsinstitutionen sollten darauf abzielen, Orientierung zu bieten und die individuellen Interessen der Studierenden zu berücksichtigen. Dies ist besonders relevant, da die digitale Welt, die durch Plattformen wie Instagram und TikTok geprägt ist, nicht nur Bildungsprozesse, sondern auch Selbst- und Weltbilder beeinflusst.
In dieser dynamischen Landschaft betont Leineweber die Bedeutung von Medienkompetenz und Medienbildung, zwei Schlüsselkonzepten, die auf die gesellschaftlich-technologischen Entwicklungen unserer Zeit reagieren. Medienkompetenz wird oft als Fähigkeit zur kritischen und kreativen Nutzung digitaler Medien definiert und ist vor allem in der jungen Bevölkerung von großer Bedeutung.
Medienkompetenz im digitalen Zeitalter
In Deutschland zeigt eine Vielzahl von Studien, dass die Medienkompetenz unter Jugendlichen als unzureichend eingeschätzt wird. Die Bildungsherausforderungen sind vielfältig, wobei signifikante Unterschiede nach Geschlecht und Bildungsgrad auftreten. Es ist erwiesen, dass aufkommende Schönheitsideale, vor allem durch soziale Medien verstärkt, das Selbstbild junger Menschen negativ beeinflussen. Die wachsende Zahl von Schönheitsoperationen, insbesondere unter Frauen, ist ein besorgniserregendes Beispiel für diese Entwicklung.
Laut einer Umfrage glauben 85% der Chirurgen, dass bearbeitete Selfies die Ansprüche der Patient*innen an ihren Körper verändern. Die Pandemie hatte zunächst einen Rückgang der ästhetischen Eingriffe zur Folge, doch danach erlebte dieser Bereich einen Boom. Diese Phänomene verdeutlichen die Notwendigkeit einer effektiven Medienbildung, um junge Menschen besser auf die Herausforderungen der digitalen Welt vorzubereiten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Christian Leineweber an vorderster Front steht, um die Fragestellungen der digitalen Bildungswelt zu ergründen. Seine Arbeit an der FernUniversität sowie seine Rolle als Juniorprofessor an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg eröffnen neue Perspektiven für die Diskussion über Medienkompetenz und Bildung in einer sich ständig verändernden Gesellschaft.