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Demografischer Notstand in Russland: Putins verzweifelter Kampf um die Zukunft!

Am Dienstag, dem 1. April, um 18 Uhr, wird im Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg ein Vortrag von Ivan Krastev mit dem Titel „The Return of the Future and the Last Man: Politics of Demographic Imagination“ stattfinden. Krastev, Jahrgang 1965, ist Vorsitzender des Centre for Liberal Strategies in Sofia sowie Albert Hirschman Permanent Fellow in Wien. Er wird sich in seiner Analyse mit der Zukunft der Demokratie und den Gründen beschäftigen, warum sich viele Menschen von ihr abwenden. Die Veranstaltung wird von Prof. Johannes Völz, einem amerikanistischen Wissenschaftler und Co-Sprecher des John McCloy Transatlantic Forums, eröffnet. Die Teilnahme erfordert eine Anmeldung bis zum 27. März unter anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

Krastev hat sich einen Namen durch seine regelmäßigen Beiträge in der Financial Times gemacht und hat in den letzten Jahren mehrere Bücher veröffentlicht, darunter „Das Licht, das erlosch“ (2021) und „Europadämmerung“ (2017). Seine Arbeiten wurden mit dem Jean-Améry-Preis für Europäische Essayistik (2020) und dem Lionel Gelber Prize (2020) ausgezeichnet. Die John McCloy Lectures, in deren Rahmen Krastev spricht, wurden bereits von namhaften Persönlichkeiten wie Charles A. Kupchan und Sigmar Gabriel gehalten und beleuchten bedeutende Themen der transatlantischen Beziehungen.

Demografische Herausforderungen in Russland

Der Vortrag von Krastev findet vor dem Hintergrund weltweiter demografischer Veränderungen statt. Insbesondere Russland sieht sich einem signifikanten Bevölkerungsrückgang gegenüber, was von Präsident Wladimir Putin als ernstes Problem wahrgenommen wird. Seit dem Ende der Sowjetunion hat das Land etwa 17 Millionen Menschen verloren. Die Fruchtbarkeitsrate in vielen Gesellschaften, einschließlich Russland, sinkt stark, und viele Länder erreichen nicht das Niveau, das zur Erhaltung der Bevölkerung notwendig wäre. Dies betrifft sowohl reiche als auch arme Nationen sowie säkulare und religiöse Gemeinschaften.

Die geschlechtsspezifische Sterblichkeit in Russland ist extrem hoch; Frauen leben im Durchschnitt fast 12 Jahre länger als Männer. Die gegenwärtige demografische Situation wird von Putin als Sicherheitsproblem wahrgenommen, da sie seine Macht und den Einfluss Russlands gefährdet. Prognosen deuten darauf hin, dass die Bevölkerung des Landes bis 2100 auf 74 bis 112 Millionen schrumpfen könnte. Angesichts dieser Herausforderungen wird der Krieg in der Ukraine möglicherweise als Versuch gewertet, ethnische Russen zu integrieren und die Bevölkerung zu vergrößern. Die Annexion der Krim im Jahr 2014 fügte Russland etwa 2,4 Millionen ethnische Russen hinzu.

Putins Politik der Bevölkerungserhaltung

Putins politische Denkweise betrachtet den demografischen Rückgang als eine existenzielle Bedrohung, die als eine Form des Krieges gegen die Auslöschung der russischen Kultur interpretiert wird. Der Kreml macht niedrige Geburtenraten zusammengeschrumpft auf westliche Einflüsse, insbesondere Feminismus und LGBTQ-Politik, verantwortlich. Putin und seine Unterstützer befürchten, dass der Westen versucht, die demografische Vitalität Russlands zu untergraben.

Zusätzlich ist der Krieg in der Ukraine mit der massenhaften Entführung von Kindern absichtlich verbunden, die nach Russland verschleppt und in Familien adoptiert werden. So sieht Putin die Ukraine als potenzielle Quelle für zukünftige russische Bürger an. Diese Dynamiken stellen nicht nur einen geopolitischen Konflikt dar, sondern auch eine tiefgreifende demografische Herausforderung, die die gesellschaftliche Struktur Russlands grundlegend verändern könnte.

Statistische Auswertung

Beste Referenz
puk.uni-frankfurt.de
Weitere Infos
nzz.ch

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