Der Waldboden ist ein entscheidender Akteur im Klimaschutz und spielt eine zentrale Rolle in den Waldökosystemen. Diese Erkenntnis rückt zunehmend in den Fokus der Forschung, wie Dr. Theresa Lucia Klein-Raufhake von der Universität Münster in ihrer Dissertation herausstellt. Am Internationalen Tag des Waldes, der am 21. März begangen wird, wird die Verbindung zwischen Klimaschutz, der Bedeutung der Wälder und deren wirtschaftlicher Nutzung beleuchtet.
Der Waldboden speichert enorme Mengen an Kohlenstoff (CO₂) und ist ein komplexer Lebensraum, der von Milliarden von Mikroorganismen, Pilzen und Insekten bevölkert wird. Diese Organismen tragen zur Zersetzung abgestorbener Pflanzenreste bei und wandeln sie in Nährstoffe um. Der Boden filtert Wasser und stabilisiert den Wasserhaushalt des Waldes, was für dessen Gesundheit unerlässlich ist. Neueste Studien betonen, dass der Zusammenhang zwischen Bodenbiodiversität und Kohlenstoffspeicherung von besonderer Bedeutung ist.
Einfluss der Waldbewirtschaftung auf Biodiversität
In ihrer Forschung untersuchte Klein-Raufhake über 200 Waldflächen in vier Regionen Nordrhein-Westfalens und analysierte mehr als 1.200 Bodenproben auf ihre physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften. Die Ergebnisse zeigen, dass in vielen Wäldern mehr Kohlenstoff im Boden gespeichert ist als in den Bäumen selbst. Darüber hinaus beeinflussen forstliche Eingriffe wie Holzernte und die Wahl der Baumarten die Lebensbedingungen für Bodenorganismen und somit auch die Kohlenstoffspeicherung.
- Eine standortangepasste Wahl der Baumarten
- Boden schonende Bewirtschaftung
- Belassen von Totholz
Diese praktischen Maßnahmen sind entscheidend, um die negativen Effekte der Waldbewirtschaftung zu verringern. Klein-Raufhake weist darauf hin, dass die Biodiversität und die Struktur der Wälder nicht immer parallel verlaufen und dass eine vielfältige Waldentwicklung für die Kohlenstoffspeicherung und die Erhaltung der Biodiversität von höchster Wichtigkeit ist. Dies steht im Einklang mit den Erkenntnissen anderer Fachleute, die sich mit dem Einfluss der Waldbewirtschaftung auf die biologischen und strukturellen Bedingungen in Wäldern befassen, wie in zahlreichen Publikationen thematisiert wird AFZ-Der Wald.
Projekte zur Erforschung der Kohlenstoffspeicherung
Das Projekt „BiCO₂“, das die Effekte forstlicher Bewirtschaftungsintensität auf Biodiversität und Kohlenstoffspeicherung untersucht, ist ein weiteres Beispiel für die laufende Forschung in diesem Bereich. Die Projektlaufzeit erstreckt sich bis April 2024 und umfasst mehrere Regionen, darunter Niederrhein, Kernmünsterland und Egge-Vorberge. Fokus liegt unter anderem auf Buchen- und Eichenwaldtypen in NRW sowie auf forstlichen Ersatzgesellschaften wie Fichte und Kiefer.
Die von Klein-Raufhake durchgeführten Studien umfassen auch Parameter wie die mechanische Bearbeitung des Bodens und deren Einfluss auf die Kohlenstoffspeicherung. Ergebnisse dieser Untersuchungen werden in einem Handbuch veröffentlicht, das die Auswirkungen forstlicher Handlungsoptionen auf die Biodiversität und die Kohlenstoffspeicherung dokumentiert. Dieses Handbuch ist auf der Projektwebseite zu finden und steht in Kooperation mit verschiedenen Institutionen wie der NABU-Naturschutzstation Münsterland und dem Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen FNR zur Verfügung.