Mehr als 2.300 Journalismusstudierende und professionelle Journalist*innen aus 29 afrikanischen Ländern haben an einem innovativen Online-Kurs der CoMMPASS-Initiative teilgenommen. Diese Initiative, die durch Erasmus+ der Europäischen Union kofinanziert wird, umfasst 37 Partneruniversitäten in Afrika und hat sich auf die Themen Migration und digitale Berichterstattung spezialisiert. Die Abschlusskonferenz fand vor Kurzem an der Uganda Christian University in Mukono statt und war ein wichtiger Schritt zur Neudefinition des afrikanischen Narrativs.

Der CoMMPASS-Kurs, der 2024 von Lehrenden des Erich-Brost-Instituts und Kolleg*innen aus sechs afrikanischen Universitäten ins Leben gerufen wurde, ist ein flexibles, mehrsprachiges Online-Format. Er verbindet wissenschaftliche Forschung mit redaktioneller Praxis und fördert eine ethische, datenbasierte Berichterstattung.

Fokus auf Migration und Digitalisierung

Die Themen der Abschlusskonferenz reichten von der Gestaltung von Migrationsnarrativen bis zur Überwindung von Stereotypen. Auch die Nutzung von digitalem Storytelling für gesellschaftlichen Wandel spielte eine zentrale Rolle. Die Konferenz brachte Hochschulpartner und Entscheidungsträger*innen zusammen, um über die Zukunft der Online-Journalismusausbildung zu diskutieren. Es wurde betont, wie wichtig es ist, die Perspektiven afrikanischer Länder in E-Learning-Initiativen stärker zu berücksichtigen.

In den Vorjahren gab es bereits einen Austausch mit der Internationalen Arbeitsorganisation, lokalen Medien und den Vereinten Nationen über Medien und Migration. Das CoMMPASS-Projekt schließt in diesem Kontext den Einfluss von Desinformations- und Manipulationskampagnen ausländischer Akteure ein. Ein neues Projekt, das im Februar an der Makerere University in Uganda gestartet wurde, trägt den Titel „The ‘Great Game’ of Media and Politics in Africa: Geopolitics and Media Intervention post-2022“ und untersucht den Einfluss von Staaten wie China, Russland und der Türkei auf die Mediensysteme in Subsahara-Afrika.

Kritik und Herausforderungen in der Ausbildung

Auf der Konferenz äußerten Wissenschaftler wie Prof. Susanne Fengler von der TU Dortmund die Notwendigkeit nachhaltiger Nutzung von E-Learning-Technologien, während Miguel Crespo von der ISCTE-Universität Lissabon die stärker Berücksichtigung afrikanischer Perspektiven forderte. Kritische Stimmen, wie die von Dr. Mulatu Alemayehu Moges aus Äthiopien, wiesen auf den Mangel an Spezialisierung in der journalistischen Ausbildung hin. Auch Prof. Ralph Afolabi Akinfeleye aus Nigeria kritisierte die negativen Auswirkungen sozialer Medien auf die Migrationsberichterstattung.

Zudem wurde die wachsende Kluft zwischen Redaktionen und journalistischer Ausbildung von Issa Boro aus Burkina Faso angesprochen. Ein interaktiver Austausch über die richtige Balance zwischen traditioneller Ausbildung und modernen digitalen Lehrmethoden fand ebenfalls statt. Während Absolventen des CoMMPASS-Kurses die Flexibilität und die Bedeutung der Faktenprüfung lobten, betonte Saul Waigolo vom National Council for Higher Education in Uganda die Gefahren non-akkreditierter Online-Anbieter.

Im Rahmen der Konferenz wurden auch Journalistenpreise für herausragende Berichterstattung über Migration vergeben. Preisträger wie Henry Nwachukwu und Emmanuella Agbezukey wurden für ihre beeindruckenden Beiträge geehrt. Insgesamt wurden über 100 Beiträge von Journalist*innen aus 28 afrikanischen Ländern eingereicht.

Das CoMMPASS-Projekt wird voraussichtlich bis Ende März 2026 fortgesetzt und bleibt ein zentraler Bestandteil des medialen Diskurses in Afrika, indem es die Verbindung zwischen migrationsspezifischer Berichterstattung und digitaler Medienbildung weiter stärkt.

Weitere Informationen über das Projekt und die Initiative sind in den Berichten der TU Dortmund zu finden: TU Dortmund, sowie in den Analysen über die stärkeren digitalen Lernansätze in Afrika: EJO.