In der heutigen digitalen Welt setzen Geistes- und Gesellschaftswissenschaften zunehmend auf digitale Methoden und Werkzeuge. Die Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr) hat darauf reagiert und ein neues Studienangebot im Bereich Digital Humanities (DH) entwickelt. Seit dem Wintersemester 2025/2026 haben Studierende die Möglichkeit, ein Zertifikat in Digital Humanities zu erwerben, das nicht nur den Nachweis digitaler Fachkenntnisse ermöglicht, sondern auch neue Berufschancen eröffnet.

Das Zertifikat umfasst drei zentrale Module, die jeweils mit 5 ECTS punkten: Data Literacy, DH-Methoden und DH-Anwendung. Die Module sind flexibel und können in das eigene Fachstudium oder als Wahlfächer belegt werden. Die Studierenden haben die Gelegenheit, ihre DH-Projekte in einem fächerübergreifenden Abschlusskolloquium zu präsentieren. Dies fördert nicht nur das interdisziplinäre Arbeiten, sondern auch den verantwortungsvollen Umgang mit Daten.

Hochschulübergreifende Zusammenarbeit

Das Programm wird an den drei Universitäten Dortmund, Duisburg-Essen und Bochum angeboten. Zu den spezifischen Schwerpunkten zählen an der Ruhr-Universität Bochum die Förderung der grundlegenden DH-Kompetenzen wie Data Mining und Textannotation. Die TU Dortmund hingegen legt ihren Fokus auf Algorithmic Literacy und betrachtet die gesellschaftlichen Auswirkungen von Algorithmen. Die Universität Duisburg-Essen konzentriert sich auf digitale Methoden in der Germanistik, insbesondere texttechnologische Aufbereitung und Auswertung von Korpora. Diese Zusammenarbeit zwischen den Universitäten der UA Ruhr wird durch ein Projekt zur Verankerung von Future Skills unterstützt, das im April 2024 startete und bis März 2026 läuft.

Die Entwicklung eines umfassenden Lehrangebots, das grundlegende digitale Kompetenzen, Werkzeuge und Methoden vermittelt, ist ein zentrales Ziel dieses Projektes. Dazu gehören auch frei verfügbare Moodle-Kurse für Lehrende und Studierende, um digitale Kompetenzen in den Geisteswissenschaften zu fördern. Der Fokus auf Digital Humanities ist daher nicht nur eine Reaktion auf aktuelle Entwicklungen, sondern auch ein Schritt, um die digitale Hochschulbildung nachhaltig zu verankern.

Erste Absolventen und ihre Erfahrungen

Am 9. Februar 2026 präsentierten die ersten Absolventen ihre Projekte und erhielten ihr Zertifikat. Geraldine Baumann, Studentin im 2-Fach-Master Germanistik und Anglistik, analysierte Überzeugungstechniken in deutschen Nachrichtenartikeln mithilfe eines Sprachmodells (RoBERTa). Baumann empfiehlt das Zertifikat, insbesondere für jene, die sich für digitale Methoden interessieren und ihre Fähigkeiten erweitern möchten. Sie ist nun in einem computerlinguistischen Forschungsprojekt tätig, das Teil ihres Promotionsvorhabens ist.

Das Angebot von Digital Humanities an der Ruhr-Universität Bochum zeigt, wie wichtig es ist, Studierende auf die Anforderungen des digitalen Zeitalters vorzubereiten. Die zunehmende Vernetzung der Universitäten in diesem Bereich bietet den Studierenden zahlreiche Möglichkeiten, sich interdisziplinär zu betätigen und ihre Kenntnisse zu vertiefen.

Für Interessierte an einem Masterstudium in Digital Humanities empfiehlt sich auch die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Der M.A. Studiengang Digital Humanities an der FAU hat andere Zugangsvoraussetzungen und fordert beispielsweise ein abgeschlossenes erstes Hochschulstudium sowie spezifische Leistungen in Informatik und Geisteswissenschaften. Diese Vielfalt an Studienangeboten zeigt, dass die digitale Transformation in den Geisteswissenschaften voranschreitet und neue Wege der Wissensvermittlung geschaffen werden.