Im Rahmen des EU-Forschungsprojekts „INNOVADE“ wird derzeit untersucht, wie digitale Technologien die demokratischen Prozesse in Europa stärken können. An dem Projekt sind elf europäische Forschungsteams beteiligt, darunter auch Forscher der Universität Paderborn, die den „Digital Democracy Score“ (DDS) entwickelt haben. Dieses innovative Web-Tool ermöglicht eine Bewertung, Visualisierung und Verbesserung der digitalen Demokratie und zeigt auf, wie effektiv digitale Technologien demokratische Prozesse unterstützen können. Der DDS richtet sich an eine breite Zielgruppe von Nutzern und Betreibern digitaler Demokratie-Technologien auf lokaler, nationaler und transnationaler Ebene, wie beispielsweise Online-Meldesysteme oder Plattformen für partizipatives Budgeting.

Das Tool bietet wertvolle Erkenntnisse für Organisationen, die Entscheidungsfindungen und Meinungsbildungen unterstützen, einschließlich Anbieter von digitalen Diskussionsforen und Nachbarschaftsgruppen. Ein besonderes Merkmal des DDS ist seine Fähigkeit, verschiedene Formen der digitalen Demokratie zu berücksichtigen und bis zu sechs Indikatoren zu berechnen. Die Skala des DDS reicht von 0, was sehr niedrig bedeutet, bis hin zu 100, was sehr hoch bedeutet. Nutzer erhalten visuelle Darstellungen der Ergebnisse sowie maßgeschneiderte Empfehlungen zur Stärkung der digitalen Demokratie.

Der Digital Democracy Score und seine Anwendung

Der DDS ist in englischer Sprache kostenfrei online verfügbar unter digital-democracy.net, und wird über eine Umfrage erstellt, die die Nutzererfahrungen und den Status der digitalen Demokratie erfasst. Anwendungsbereiche des DDS umfassen unterschiedlichste Bereiche, von politischen Online-Diskussionsforen über Nachbarschaftsgruppen bis hin zu Regierungen, die E-Voting einsetzen. Die Entwicklung des DDS erfolgte durch ein Team der Universität Paderborn, zu dem Kevin Friesch, Christian Fuchs und Joel Musba gehören.

  • Constitutional Digital Democracy Score (CODDI)
  • Deliberative Digital Democracy Score (DEDDI)
  • Participatory Digital Democracy Score (PADDI)
  • Representative Digital Democracy Score (REDDI)
  • Direct Digital Democracy Score (DIDDI)
  • Pluralist Digital Democracy Score (PLUDDI)

Um die Nutzung des DDS zu fördern, bietet das INNOVADE-Projekt zwei kostenlose Online-Schulungsworkshops an. Diese finden am 24. Februar und 4. März 2026 statt. Interessierte können sich bis zum 20. Februar für die Workshops anmelden.

Die Rolle der digitalen Demokratie in der modernen Politik

In der heutigen Zeit, in der das Internet keine festen Grenzen hat, ist die Umsetzung demokratischer Entscheidungen eine große Herausforderung. Politische Entscheidungen betreffen unter anderem wichtige Werte wie den Schutz personenbezogener Daten und die Qualität der Internetversorgung. Insgesamt sind fast fünf Milliarden Menschen weltweit von diesen Entscheidungen betroffen. Besonders nach der Corona-Pandemie haben politische Reaktionen auf gesellschaftliche Regulierungsforderungen zugenommen, was die Netzpolitik als eigenes Politikfeld in Deutschland etabliert hat.

Das Spannungsfeld zwischen nationalen Regelungen und der globalen Vernetzung des Internets führt dazu, dass Unterschiede in den Internetangeboten zwischen Ländern bereits sichtbar sind. So beeinflussen Unterschiede in nationalen Internetangeboten auch den Zugang zu Medieninhalten. Eine Angleichung der Internetnutzung an territoriale Ordnungsmuster könnte potenziell zu erheblichen Veränderungen des Internets führen. In Deutschland sind die Fachleute für Netzpolitik zunehmend in politischen Institutionen verankert, was darauf hinweist, dass der Cyberspace immer mehr als Raum für politische Aktivitäten wahrgenommen wird.

Wie uni-paderborn.de berichtet, sind die Entwicklungen wie der DDS ein wichtiger Schritt, um die digitale Demokratie zu stärken und Bürgerbeteiligung in Europa zu fördern. Die Ergebnisse des Projektes „INNOVADE“ könnten daher nicht nur für europäische Länder, sondern auch für die globale digitale Demokratie von Bedeutung sein.