Die Digitalisierung revolutioniert das Gesundheitswesen und bietet zahlreiche Chancen, um die medizinische Versorgung zu verbessern. Ein aktuelles Projekt der Digital Engineering Fakultät an der Universität Potsdam, das den Kurs „Igniting need-driven Innovation in Healthcare“ umfasst, beleuchtet diese Entwicklungen. Unter der Leitung von Dr. med. Philipp Stoffers arbeiten Studierende an konkreten Lösungsvorschlägen, um bestehende Herausforderungen im Gesundheitssektor anzugehen. Die Kooperation mit der Vivantes-Netzwerk für Gesundheit GmbH ermöglicht den Teilnehmenden, praktische Erfahrungen in Kliniken zu sammeln und die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten direkt zu erfahren. Laut uni-potsdam.de ist das Ziel des Kurses die Identifikation von Problemen und die Entwicklung innovativer Lösungen in einem interdisziplinären Umfeld.
Der Kurs baut auf Methoden des Design Thinking und des Stanford Biodesign auf und integriert eine kreative Phase zur Erkennung von Bedürfnissen, gefolgt von Machbarkeitsanalysen und der Entwicklung erster Prototypen. Ein Beispiel für eine solche innovative Lösung ist das Projekt „sprechende Katze“, das darauf abzielt, Patienten zu unterstützen. Diese praxisnahe Herangehensweise bringt Studierende aus unterschiedlichen Disziplinen, wie Medizin und Informatik, zusammen und fördert reales Brainstorming in Kliniken. Die Studierenden haben bereits positives Feedback gegeben und der Kurs ist als einer der besten in dieser Kategorie bewertet worden.
Der menschzentrierte Ansatz in der digitalen Gesundheit
Ein zentraler Aspekt digitaler Gesundheitslösungen ist der menschzentrierte Ansatz. Dies wurde besonders in einem Spotlight Talk von Prof. Dr. Falk Uebernickel von der HPI d-school deutlich, der unter dem Titel „Design as an Engine for Digital Health Innovation – How Human-Centered Prototyping creates real value for patients“ die Bedeutung des Designs für erfolgreiche technologische Lösungen hervorhob. Er betonte, dass die Adoption von Technologien oft nicht an der Technologie selbst, sondern an der Realität der Menschen scheitert. Für den Erfolg von Innovationen sind frühe Tests und iterative Verbesserungen entscheidend, bevor größere Ressourcen investiert werden. Zwei erfolgreiche studentische Projekte, CURAFA und ABBI, illustrieren diesen Ansatz eindrucksvoll.
- CURAFA: Dieses Projekt zielt darauf ab, die primäre Gesundheitsversorgung in Kenia zu verbessern. Durch die Zusammenarbeit mit Design-Thinking-Studierenden wurde erkannt, dass ein Mangel an Daten über die Nutzung von Gesundheitsdienstleistungen in der ländlichen Bevölkerung besteht. Statt sich nur auf Klinikoptimierung zu konzentrieren, bemühten sich die Studierenden, das Verständnis für die individuelle Lebensrealität der PatientInnen zu vertiefen.
- ABBI: Entwickelt für Menschen mit Multipler Sklerose, unterstützt ABBI die Nutzer durch tägliche Micro-Nudges zur Bewegung und Aktivität. Der Fokus liegt auf der Funktionsfähigkeit des Alltags und der Lebensqualität der betroffenen Personen, was durch einen Designansatz unterstützt wird, der auch Erfahrungen simuliert, die mit der Erkrankung einhergehen.
Die Digitalisierung im Gesundheitswesen bringt nicht nur neue Technologien und Ansätze mit sich, sondern auch die Notwendigkeit, diese bestmöglich in den Alltag der Patientinnen und Patienten zu integrieren. Gemäß bundesgesundheitsministerium.de verbessert sie die Kommunikation, Verwaltungsabläufe und Therapiefortschritte. Eine qualitativ hochwertige, wirksame und menschenzentrierte Behandlung wird somit ermöglicht.
Die bereits erzielten Fortschritte zeigen, dass die Zukunft des Gesundheitswesens maßgeblich durch innovative Ansätze geprägt sein wird, die die Perspektive der Patienten in den Mittelpunkt stellen. Die Kombination aus digitaler Technologie und einem klaren Fokus auf die Bedürfnisse der Nutzer könnte entscheidend sein für die Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung.