Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) hat kürzlich eine bedeutende finanzielle Unterstützung für die Herzchirurgie erhalten. Laut MHH fließen insgesamt drei Millionen Euro in die Anschaffung eines neuen OP-Roboters vom Typ da Vinci SP. Diese Mittel wurden durch zwei großzügige Zuwendungen von der Rossmann-Stiftung und der Braukmann-Wittenberg-Herz-Stiftung sichergestellt, wobei beide Stiftungen jeweils 1,5 Millionen Euro beisteuern.

Der da Vinci SP ist der erste seiner Art in Deutschland und ermöglicht die Durchführung minimalinvasiver Eingriffe durch einen einzigen, ungefähr drei Zentimeter langen Schnitt. Bei diesen Verfahren werden eine Videokamera und drei robotische Instrumentenarme in die Brusthöhle eingeführt. Die MHH plant, das neue System zunächst in etwa 100 Bypass-Operationen pro Jahr einzusetzen, mit der Möglichkeit, das Spektrum später zu erweitern.

Wichtige Unterstützung durch Stiftungen

Dirk Roßmann, der Gründer von Rossmann, motivierte sich durch persönliche Erfahrungen nach einer Herzoperation in der HTTG-Klinik, bei der ihm vier Bypässe eingesetzt wurden. Die Braukmann-Wittenberg-Herz-Stiftung wurde in den 1980er Jahren gegründet, um die Herz-Kreislauf-Forschung an der MHH zu fördern. Sie hat in der Vergangenheit bereits Millionenbeträge in Projekte zur Herzgesundheit investiert, darunter 13 Millionen Euro für das Hans-Borst-Zentrum.

Die MHH betreibt bereits insgesamt vier OP-Roboter in verschiedenen Kliniken, einschließlich der Gynäkologie, Urologie und der Plastischen, Ästhetischen, Hand- und Wiederherstellungschirurgie (PÄHW), wo ein weiterer mikrochirurgischer OP-Roboter eingesetzt werden soll. Rossmann hat hierfür zusätzlich 300.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Roboterassistierte Herzoperationen im Kontext

Roboterassistierte Operationen bieten zahlreiche Vorteile. Laut Cardiology Magazine führen sie zu weniger Komplikationen, schnelleren Heilungsprozessen und verkürzten Krankenhausaufenthalten. Allerdings hängt die Entscheidung für eine solche Operation von vielen Faktoren ab. In Deutschland entscheidet ein interdisziplinäres „Herz-Team“, bestehend aus Kardiologen, Herzchirurgen und Anästhesisten, über die optimale Behandlungsstrategie, nicht allein der Chirurg.

Minimalinvasive Verfahren wie der da Vinci-Roboter werden bevorzugt, da sie die Notwendigkeit eines Brustbeinschnitts vermeiden. Statistiken zeigen, dass solche innovativen Verfahren, wie MitraClip und Kryoablation, an Bedeutung gewinnen und mittlerweile auch bei Hochrisikopatienten eingesetzt werden.

Ein weiterer Aspekt der roboterassistierten Herzchirurgie wurde jüngst in der Martini-Klinik beleuchtet. Dort fand eine Bypass-Operation am schlagenden Herzen statt, bei der die Vorteile der Technologie deutlich wurden, wie Prof. Dr. Evaldas Girdauskas hervorhebt. Der Einsatz des da Vinci-Roboters erlaubt es, die Eingriffe über drei kleine Zugänge zwischen den Rippen durchzuführen, was das Trauma für den Brustkorb erheblich verringert.

Die Genesungszeit für Patienten, die minimalinvasive Verfahren nutzen, ist kürzer. Viele können oft schon nach zwei bis drei Tagen entlassen werden. Das moderne perioperative Versorgungsprogramm „ERAS“ unterstützt zusätzlich die postoperative Genesung, was die Attraktivität dieser Verfahren weiter erhöht.

Die Einführung des da Vinci SP an der MHH markiert einen bedeutenden Schritt in der Weiterentwicklung der Herzchirurgie in Deutschland. Dabei wird offensichtlich, dass sowohl die Technik als auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit entscheidend für den Therapieerfolg sind, um den Patienten eine bestmögliche Versorgung zu bieten.