Vom 12. bis 14. März 2026 finden im Stadthaus Ulm die 19. Ulmer Denkanstöße statt, die sich intensiv mit dem Thema der gesellschaftlichen Polarisierung und der Rolle von Emotionen in diesem Kontext auseinandersetzen. Die Auftaktveranstaltung startet bereits am 11. März mit einer Filmvorführung von „L.A. Crash“ im Xinedome, für die ein Eintritt von 5 Euro zu entrichten ist. Alle weiteren Veranstaltungen während des Festivaltages sind kostenlos. Die Kulturbürgermeisterin von Ulm, Iris Mann, hebt hervor, dass Emotionen eine zentrale Rolle in gesellschaftlichen Debatten spielen. Professorin Rebekka Hufendiek wird die Veranstaltung in Kooperation mit der Stadt Ulm und der Stiftung Bildung und Soziales der Sparda-Bank Baden-Württemberg leiten.

Die Eröffnung am 12. März um 19:30 Uhr gestaltet Samira El Ouassil mit ihrem Vortrag „Die Kunst, uneinig zu bleiben“. Am 13. März stehen verschiedene Formate auf dem Programm, darunter ein Diskussionspanel von 16:00 bis 18:00 Uhr, an dem Dr. Nadja-Raphaela Baer, Manuel Stark und Leonie Pessara teilnehmen. Ein Streitgespräch zu einem Social Media-Verbot für Jugendliche wird ebenfalls am 13. März um 19:00 Uhr stattfinden, moderiert von Salwa Houmsi. Die Veranstaltung schließt am 14. März mit einer Lesung und Diskussion über richtiges Streiten in Zeiten der Polarisierung und einem abschließenden Vortrag von Peter Anhalt über Deradikalisierung und Gewaltprävention.

Emotionale Polarisierung in Deutschland

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass es in Deutschland zu einer tiefen emotionalen Trennung zwischen den Anhängern verschiedener politischer Parteien kommt. Besonders die Anhänger der AfD zeigen eine ausgeprägte Ablehnung gegenüber den Unterstützern anderer Parteien. Gemäß einer Berliner Forschungsgruppe, die sich mit affektiver Polarisierung beschäftigt, ist die AfD eine zentrale Quelle von Spannungen. Diese zunehmende emotionale Spaltung hat zur Folge, dass das Vertrauen in den Bundestag schwindet und die Zufriedenheit mit der Demokratie abnimmt. Experten warnen vor den destruktiven Folgen, die entstehen, wenn die Menschen voneinander distanziert sind und nicht mehr miteinander kommunizieren.

Ein hypothetisches Szenario illustriert diese Entwicklung: Menschen gruppieren sich nach Sympathien und Abneigungen, wobei die Anhänger der SPD, Grünen und Linkspartei nahe beieinander stehen, während AfD-Anhänger eher distanziert sind. Zwischen diesen Lagern stehen die Anhänger der Union und des BSW. FDP-Anhänger hingegen sind weit gestreut. Eine neue Pilotstudie des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) untermauert die Sorgen um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland. Sie beleuchtet drei Konfliktlinien, die spezifische sozialstrukturelle Positionen widerspiegeln und zeigt, dass viele Menschen gravierende Defizite bei der Gerechtigkeit in Deutschland wahrnehmen.

Die Suche nach Zusammenhalt

Die FGZ-Studie analysiert, wie soziale Ungleichheiten, autoritäre Werte und die Bewertung kultureller Heterogenität sowohl das Meinungsbild als auch die gesellschaftliche Spaltung prägen. Während die Gesellschaft nicht klar in zwei Lager geteilt ist, zeigen sich doch deutliche Konfliktlinien. Eine Mehrheit äußert Besorgnis über soziale und ökonomische Spaltungen. Trotz der unterschiedlichen Meinungen zu relevanten Themen sind sich viele der Befragten einig, dass ein intensiverer Dialog und die Einhaltung von Recht und Ordnung nötig sind, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern.

Die Veranstaltungen der Ulmer Denkanstöße bieten eine Plattform, um diese komplexen Themen zu diskutieren und zu beleuchten. Spenden für die Bewährungs- und Straffälligenhilfe Ulm e.V. werden ebenfalls gesammelt und von der veranstaltenden Stiftung verdoppelt. Detaillierte Informationen und das Programm sind online unter www.ulmer-denkanstoesse.de abrufbar.