Sidebar Werbung
Sidebar Werbung

Im Rahmen eines internationalen Workshops zum Thema afroeuropäische Geschichte und Archivarbeit fand Ende Februar 2026 im Schloss Herrenhausen in Hannover ein bedeutendes Treffen von Fachleuten statt. Unter dem Titel „Research Perspectives on the Black European Archive: Materialities, Medialities, Aesthetics“ wurde eine Plattform geschaffen, um die Herausforderungen bei der Archivierung und Sichtbarmachung afroeuropäischer Geschichte zu diskutieren. Organisiert wurde der Workshop von Professorin Julia Borst von der Universität Bremen gemeinsam mit weiteren Forschenden und unterstützenden Institutionen, darunter die VolkswagenStiftung.

Rund 30 Teilnehmende aus mehr als zehn Ländern und verschiedenen Disziplinen, darunter Forschende, Archivar:innen, Kulturschaffende und Aktivist:innen, nahmen an der Veranstaltung teil. Der Workshop zielte darauf ab, den Austausch zwischen akademischer Forschung, institutioneller Archivpraxis und community-basierten Initiativen zu fördern. Ein zentrales Thema war die Marginalisierung von Quellen, die die Perspektiven Schwarzer Menschen dokumentieren. Der Zugang zu historischen Quellen gestaltet sich oft schwierig, und problematische Metadaten perpetuieren koloniale Machtasymmetrien.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Archivarbeit und epistemische Gerechtigkeit

Ein weiterer Fokus der Diskussion war die Digitalisierung, die neue Wissensspeicher in Form von Websites, Blogs und Social Media hervorgebracht hat. Diese neuen Medien bieten einem breiteren Publikum Zugang zu Informationen, die in traditionellen Archiven oft unsichtbar bleiben. Die Teilnehmenden thematisierten die Rolle von Literatur und Kunst als zentrale Formen des Archivierens und der Wissensvermittlung. Die Ansätze zur epistemischen Gerechtigkeit und die Positionalität der Forschenden im Kontext der afroeuropäischen Studien wurden intensiv beleuchtet.

In-article Werbung
In-article Werbung

Die Herausforderungen bei der Sichtbarmachung dieser Themen sind nicht neu. Gemeinsam mit den Ergebnissen des Workshops stehen die Reflexionen und Arbeiten von Forscherinnen und Forschern, wie Lotta Klister, im Kontext der postkolonialen Debatten in Deutschland. Klisters Essay thematisiert Rassismus als eine Form kolonialer Kontinuität. Ausgangspunkt ihrer Reflexionen ist die eigene Perspektive als weiße Person und die damit verbundenen Wissensgrenzen über koloniale Kontinuitäten in Deutschland. Sie erläutert die grundlegenden Wissenslücken in offiziellen Archiven und die Notwendigkeit, diese post-kolonialen Narrative sichtbarer zu machen. Dieser Aspekt wird durch die afro-deutsche Community hervorgehoben, die in ihrem Bemühen, die Erfahrungen von Rassismus zu dokumentieren, einen wichtigen Beitrag leistet.

Afro-deutsche Identität und Erinnerungskultur

Der Begriff „afro-deutsch“ beschreibt die gemeinsame Erfahrung von Rassismus in einer weißen deutschen Gesellschaft. Klister bindet Zitate von prominenten Stimmen, wie Audre Lorde, ein, um die Bedeutung der Community-Bildung für die Veränderung des deutschen Bewusstseins zu unterstreichen. Zudem kritisiert sie die Umbenennung von Orten, wie das Gröben-Ufer in May-Ayim-Ufer, als Beispiel einer kompetitiven Erinnerungskultur, die nicht die gesamte Komplexität der zurückliegenden Kolonialgeschichte widerspiegelt.

Die Afro-deutsche Community, benannt nach der Schriftstellerin May Ayim, steht als Antwort auf den Rassismus und die Unsichtbarkeit von Rückkehrer*innen aus ehemaligen Kolonien. Klister fordert eine stärkere Sichtbarkeit kolonialer Kontinuitäten und die Notwendigkeit, diese in die deutsche Erinnerungspolitik zu integrieren. Ihre Arbeiten und die Ergebnisse des Workshops bilden somit eine wichtige Grundlage für die Entwicklung von Strategien, die den Umgang mit der kolonialen Vergangenheit in Deutschland neu denken und umgestalten.

Insgesamt zeigt die Veranstaltung in Hannover, wie wichtig es ist, die afroeuropäische Geschichte zu archive und sichtbar zu machen. Die Verknüpfung von akademischer Forschung, Archivpraxis und community-basierten Initiativen kann dazu beitragen, die marginalisierten Stimmen und Perspektiven Schwarzer Menschen in Europa wirksam zu stärken und zu würdigen.