Im Jahr 2026 wird Bonn digital erlebbar: Ein innovatives Projekt von Studierenden der Universität Bonn bringt die römische Geschichte der Stadt in Form einer interaktiven Stadtführung auf Smartphones. Die App „Actionbound“ bietet Nutzerinnen und Nutzern die Möglichkeit, die Stadt auf den Spuren der Römer zu erkunden. Unter dem Titel „Auf den Spuren der Römer in Bonn – Legionslager“ führt die Route von etwa 2,5 Kilometern vorbei an historischen Stationen wie dem römischen Kran an der Römerstraße und beeindruckenden römischen Steindenkmälern in der Heerstraße. Die Studierenden entwickelten die Inhalte und die Route im Rahmen eines Projektes, initiiert von Doktorandin Maja E. Keller und Dr. Patrick Zeidler im Wintersemester 2025/26.

Eine humorvolle Begleitfigur, der römische Soldat Clodius, führt die Teilnehmenden durch die Tour. Diese Schnitzeljagd beinhaltet geschichtswissenschaftliche Rätsel und archäologische Quizfragen, die speziell für Schulklassen, Touristen, Familien und interessierte Bürger:innen erstellt wurden. Die App ist kostenlos über actionbound.com/bound/aufdenspurenderroemer2026 verfügbar und unterstützt die Übertragung aktueller Forschungsergebnisse in ein anschauliches Format für die breite Öffentlichkeit.

Die römische Militärgeschichte Bonn

Die Grundlage der digitalen Schnitzeljagd basiert auf einer tiefen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den antiken Schriftquellen und archäologischen Funden rund um das Legionslager „Castra Bonnensia“. Dieses Lager war Teil des Niedergermanischen Limes, der seit 2021 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Historische Erkenntnisse zeigen, dass Bonn zwischen 16 v. u. Z. und 12 v. u. Z. eine kleine Militäreinheit beherbergte, die wahrscheinlich zur Vorbereitung der Drususoffensive diente. Die damalige Einheit, bestehend aus rund 80 Mann, lebte innerhalb der ubischen Siedlung.

Spätere archäologische Funde belegen die Entwicklung des Auxiliarlagers, dessen Reste unter anderem 1983 bei den Theaterarkaden entdeckt wurden. In den darauffolgenden Jahren kamen beim Bau des Hilton-Hotels Überreste von Mauern und Gräben zum Vorschein. Diese militärische Präsenz in Bonn erstreckte sich bis zum ersten Jahrhundert n. Chr., während das Bonner Legionslager bemerkenswerte Bauphasen durchlief und für eine Legion sowie Auxilartruppen Platz bot.

Ein Blick auf die Archäologie

Das Legionslager „Castra Bonnensia“ maß etwa 27,67 Hektar und war somit eines der größten des Römischen Reiches. Historisch gesehen war die am längsten stationierte Legion die Legio I Minervia, die von 83 bis 353 oder 355 n. Chr. in Bonn präsent war. Die wichtigsten Infrastrukturmerkmale des Lagers waren die hoch entwickelten Verwaltungs- und Versorgungsbauten sowie ein System zur Wasserversorgung, das Wasser aus zwei Quellen am Hardtberg bezog. Auch ein Hafen am Rhein sicherte die Versorgung der Truppen mit Waren aus dem Mittelmeerraum.

Die Umgebung des Legionslagers war geprägt von Handwerk und Dienstleistungsbetrieben, die in den Canabae Legionis lebten und arbeiteten. Archäologische Funde deuten auf die Existenz von Werkstätten, Töpfereien und Ziegelei hin, die ein vielfältiges Bild der römischen Lebensweise vor Ort zeichnen.

Das Projekt wird von Althistorikerin Prof. Dr. Julia Hillner als hervorragendes Beispiel für die Integration von Forschung und Lehre mit gesellschaftlicher Wirkung gewürdigt. Interessierte erhalten zudem auf den Webseiten der Universität Bonn weitere Einblicke in die römische Geschichte Bonns. Englischsprachige Forschungsergebnisse sind auf der Seite „The World of Roman Bonn“ verfügbar, die zusätzliche Perspektiven auf die römische Vergangenheit und ihre Bewohner bietet.