Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg der Goethe-Universität Frankfurt hat einen wichtigen Schritt in der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit unternommen. Am 14. Februar 2026 wurde erstmals Raubgut aus der Zeit des Nationalsozialismus an die Jüdische Gemeinde Frankfurt zurückgegeben. Dies geschah im Rahmen eines Prozesses, der 2020 begann, als die Bibliothek ihre Bestände systematisch auf NS-Raubgut untersuchte.
Insgesamt wurden fünf Bände an die Gemeinde übergeben. Diese Bücher stammen aus dem Besitz der jüdischen Familie Blau, insbesondere von Julius Blau und seinem Sohn Ernst Blau. Julius Blau war von 1903 bis 1939 Vorsitzender der Israelitischen Gemeinde und engagierte sich aktiv in verschiedenen jüdischen Hilfsorganisationen. Ernst Blau war Bibliothekar der Gemeinde und wanderte 1939 nach Frankreich aus, wo er 1941 im Lager Gurs starb.
Wert der Rückgabe
Die zurückgegebenen Bücher mögen nicht besonders wertvoll oder selten sein, tragen jedoch eine immense symbolische Bedeutung für die Jüdische Gemeinde. Sie enthalten ein Exlibris von Dr. Ernst Blau sowie Stempel der Israelitischen Gemeinde und des „Tagesheims der erwerblosen jüdischen Jugend“. Der Weg, wie diese Bücher in die Universitätsbibliothek gelangten, ist bislang nicht nachvollziehbar; sie müssen jedoch vor dem Ende der NS-Herrschaft dort angekommen sein.
Die Rückgabe dieser Bücher ist mehr als eine formale Handlung. Sie ist ein bedeutsamer Schritt zur Versöhnung und zur Anerkennung des unermesslichen kulturellen Verlustes, den die jüdische Gemeinde während der NS-Zeit erlitt. Vor dem Holocaust besaß die Bibliothek der Israelitischen Gemeinde etwa 11.500 Werke in mehr als 14.000 Bänden. Während der NS-Zeit wurde diese Sammlung nahezu vollständig geraubt, was eine Rekonstruktion der ursprünglichen Bibliothek unmöglich macht.
Zukünftige Restitutionen
Die Universitätsbibliothek plant, weitere Rückgaben durchzuführen, da in den Beständen zusätzliche Verdachtsfälle für NS-Raubgut entdeckt wurden. Der Prozess der Aufarbeitung und Restitution ist Teil der Bemühungen der Goethe-Universität, ihre Geschichte sowie die ihrer Sammlungen transparent darzustellen. Zu diesem Zweck wurde an der Universität das Forum Universitätsgeschichte ins Leben gerufen.
Zusätzlich wurde die Israelitische Gemeinde bereits im Jahr 1964 durch einen Erbvertrag, der die Angehörigen der Familie Blau berücksichtigte, für Verluste entschädigt. Trotz dieser früheren Entschädigungen bleibt die Rückgabe des Raubguts ein symbolisch und emotional bedeutender Akt, der die gelebte Verbindung zwischen der Universität und der jüdischen Gemeinschaft verstärkt.
Die Übergabe dieser fünf Bücher markiert einen bedeutenden Fortschritt in den Bemühungen um Gerechtigkeit und die Aufarbeitung der Geschichte, die durch die Verbrechen des Nationalsozialismus überschattet ist. Die Forschungsarbeiten der Universitätsbibliothek zeigen nicht nur ein Engagement für Erinnerung und Versöhnung, sondern auch die Notwendigkeit, die Vergangenheit aktiv zu reflektieren und zu honorieren.
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