Am 16. Februar 2026 wurde Professorin Sara Y. Brucker zur neuen Dekanin der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen gewählt. Dies markiert einen historischen Moment, da sie die erste Frau ist, die diese Position in der fast 550-jährigen Geschichte der Fakultät einnimmt. Brucker, die seit Oktober 2022 Ärztliche Direktorin der Universitäts-Frauenklinik ist, übernimmt das Amt von Professor Bernd Pichler, der die Fakultät seit 2020 geführt hat, und die Amtsübergabe fand an diesem Montag statt. Professor Pichler ist nicht für eine neue Amtszeit angetreten, nachdem er die Fakultät während der Herausforderungen der Coronapandemie geleitet und während seiner Amtszeit die Gründung einer Kindertagesstätte zur Förderung junger Wissenschaftler initiiert hat.

Die Wahl Bruckers ist besonders bedeutend, da sie als Pionierin in der modernen operativen Frauenheilkunde gilt und entscheidende Fortschritte in der Brustkrebsmedizin in Deutschland erzielt hat. Unter ihrer Federführung wurde das erste interdisziplinäre Brustzentrum Deutschlands in Tübingen eingerichtet. Zudem ist sie die erste und bislang einzige Ärztin in Deutschland, die Uterustransplantationen vorgenommen hat, eine Errungenschaft, die sie 2016 mit einer Transplantation bei einer an Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom leidenden Frau begann.

Werdegang und Erfolge

Sara Yvonne Brucker wurde am 27. Mai 1974 in Gengenbach geboren und wuchs in Hausach im Schwarzwald auf. Nach ihrem Humanmedizinstudium an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg schloss sie 1999 ihre Promotion ab. Ihre Karriere an der Universitäts-Frauenklinik Tübingen begann mit einer Assistenzarztstelle, gefolgt von einer Habilitation im Jahr 2009. Im selben Jahr übernahm sie die Leitung des Zentrums für seltene genitale Fehlbildungen.

Die Tübinger Frauenklinik, unter ihrer Leitung bis 2024, wurde 2024 von Newsweek als beste Klinik in Europa und viertbeste weltweit ausgezeichnet. Brucker hat verschiedene Führungspositionen bekleidet, einschließlich der Präsidentschaft der Deutschen Gesellschaft für Senologie, und leitet heute das Tumorzentrum Comprehensive Cancer Center Tübingen-Stuttgart. Sie hat einen h-Index von 60 und ist außerdem Herausgeberin der Fachzeitschrift Senologie der Thieme Gruppe.

Ziele und Visionen

Mit der Übernahme der Dekanatstelle plant Brucker, unter anderem die Vereinbarkeit von akademischen und klinischen Karrierewegen zu fördern. Sie strebt zudem an, den Forschungsstandort Tübingen auszubauen sowie die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in der Medizin voranzutreiben. Ihr Werdegang fällt in eine Zeit, in der Bemühungen zur Erhöhung der Frauenanteile in führenden medizinischen Positionen zunehmen, ein Thema, das in der Analyse „Medical Women on Top – Update 2024“ des Deutschen Ärztinnenbundes angesprochen wurde, wo die Unterrepräsentation von Frauen in Klinikdirektorpositionen deutlich wird.

Bruckers Wahl wird daher nicht nur als persönlicher Erfolg gewertet, sondern auch als Teil eines größeren Wandels in der medizinischen Führungskultur. Initiativen wie das „Aktionsbündnis für mehr Chefärztinnen“ setzen sich für die Förderung von Frauen in Führungspositionen ein. Diese Entwicklung ist besonders wichtig, da Studien zeigen, dass nur 14 % der medizinischen Führungspositionen in Deutschland von Frauen besetzt sind. Dr. Christiane Groß, Ehrenpräsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, betont, wie notwendig starke Netzwerke für eine Veränderung in dieser Hinsicht sind.

Bruckers Ernennung könnte somit als Schritt in eine neue Ära der medizinischen Führung in Deutschland angesehen werden, die Frauen den Weg in Spitzenpositionen ebnen soll – nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der praktischen Medizin.