Am 16. Februar 2026 fand ein historisches Ereignis an der Universität Tübingen statt: Professorin Sara Y. Brucker wurde zur neuen Dekanin der Medizinischen Fakultät gewählt. Dies ist das erste Mal in der fast 550-jährigen Geschichte der Fakultät, dass eine Frau diese prestigeträchtige Position übernimmt. Brucker, die Ärztliche Direktorin der Universitäts-Frauenklinik sowie Leiterin des Departments für Frauengesundheit ist, folgte auf Professor Bernd Pichler, der seit 2020 an der Spitze der Fakultät stand und nun nicht für eine neue Amtszeit kandidierte.

Die Amtsübergabe am Montag wurde von Rektorin Professorin Dr. Karla Pollmann sowie Professor Jens Maschmann, dem Leitenden Ärztlichen Direktor des Universitätsklinikums, begleitet, die Bruckers Führungskompetenz lobten. Ihre herausragende Karriere zeichnet sich durch zahlreiche Erfolge aus – sie gilt als Pionierin der modernen operativen Frauenheilkunde und hat bedeutende Beiträge zur Brustkrebsmedizin geleistet. Unter ihrer Mitwirkung wurde das erste interdisziplinäre Brustzentrum Deutschlands in Tübingen gegründet und zertifiziert. Zudem führte sie als erste und bislang einzige Ärztin in Deutschland Uterustransplantationen durch.

Ein Wegbereiterin für Frauen in der Medizin

Sara Brucker wurde am 27. Mai 1974 in Gengenbach geboren und wuchs in Hausach im Schwarzwald auf. Nach ihrem Humanmedizin-Studium an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und ihrer Promotion, die sie 1999 abschloss, trat sie in die Universitäts-Frauenklinik Tübingen ein. Neben ihrer ärztlichen Tätigkeit hat sie bedeutende Führungspositionen innegehabt, unter anderem als Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Senologie.

Während ihres Werdegangs hat Brucker zudem in verschiedenen Funktionen zur Verbesserung der Frauenheilkunde beigetragen. Ihre klinischen Schwerpunkte beinhalten operative Gynäkologie, Gynäkoonkologie und Senologie. Die Tübinger Frauenklinik wurde 2024 von Newsweek als beste Klinik in Europa und viertbeste weltweit ausgezeichnet, ein Beweis für die Qualität der Arbeit, die Brucker mit ihrem Team leistet.

Ein Blick auf die Gleichstellung in der Medizin

Trotz Bruckers beeindruckender Ernennung zeigt eine bundesweite Erhebung, dass Frauen in der administrativen Leitung von Universitätsklinika in Deutschland stark unterrepräsentiert sind. An 38 Universitätsklinika sind lediglich 25% der Vorstandspositionen mit Frauen besetzt und in der ärztlichen Direktion liegt der Frauenanteil bei nur 10,5% – Zahlen, die einen großen Handlungsbedarf verdeutlichen. Die Politik und die Einrichtungen selbst sind gefragt, durch gezielte Maßnahmen, wie Mentoring und familienfreundliche Arbeitsstrukturen, die Diskrepanz zwischen Qualifikation und Präsenz von Ärztinnen in Führungspositionen zu verringern.

Brucker plant nicht nur, die Vereinbarkeit von akademischen und ärztlichen Karrierewegen zu verbessern, sondern auch die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in der Medizin voranzutreiben. Mit ihrer Vision hat sie die Chance, als Vorbild für zukünftige Generationen von Medizinerinnen zu agieren und die Gleichstellung in der Medizin voranzubringen. Ihre Ernennung könnte somit als Wendepunkt in der Geschichte der Medizinischen Fakultät Tübingen und darüber hinaus gesehen werden.

Mit dieser Ernennung an der Spitze der Fakultät könnte ein neues Kapitel der Frauenförderung in der Medizin aufgeschlagen werden – und das nicht nur für Tübingen, sondern für ganz Deutschland.

Für detaillierte Informationen über Sara Y. Brucker und ihre Stationen in der medizinischen Welt besuchen Sie bitte diesen Artikel auf der Wikipedia-Seite.

Erfahren Sie mehr über aktuelle Führungsherausforderungen für Frauen im deutschen Gesundheitswesen beim Ärzteblatt.

Wenn Sie mehr über die Entwicklung der Medizinischen Fakultät Tübingen und die Neuerungen unter der Leitung von Professorin Sara Y. Brucker nachlesen möchten, finden Sie alle Themen in der Pressemitteilung der Universität Tübingen.