Prof. Dr. Dirk M. Hermann, ein angesehener Neurologe an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen, wurde mit dem TÜBA Academy Prize in der Kategorie „Health and Life Sciences“ ausgezeichnet. Dies ist eine besondere Ehre, die nur zwei Medizinern in diesem Jahr zu Teil wurde. Laut der Turkish Academy of Sciences erkennt dieser Preis international anerkannte Forschung auf dem Gebiet der Hirn-Mikro-Umgebungen an. Hermann ist bekannt für seine bedeutenden Beiträge zur neurologischen Forschung und hat nicht nur die Professur für vaskuläre Neurologie inne, sondern auch einen Schwerpunkt auf Demenz und Altersforschung gelegt.

Seine Arbeiten in der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Essen fokussieren sich auf Eiweiße, die den Zugang zum Gehirn steuern. Diese „Torwächter“ sind entscheidend für die Behandlung und das Verständnis neurologischer Erkrankungen wie Schlaganfall und Demenz. Hermann hat auf bemerkenswerte Weise das Wissen über die Blut-Hirn-Schranke (BHS) vertieft, die eine essentielle physiologische Barriere zwischen dem Blutkreislauf und dem zentralen Nervensystem darstellt. Ihre Funktion ist es, das Gehirn vor schädlichen Stoffen und Krankheitserregern zu schützen und gleichzeitig eine kontrollierte Zufuhr von Nährstoffen zu gewährleisten.

Die Bedeutung der Blut-Hirn-Schranke

Die Blut-Hirn-Schranke wird von spezialisierten Endothelzellen gebildet, die durch Tight Junctions miteinander verbunden sind. Diese Strukturen bilden einen hochselektiven Filter, der nicht nur schützt, sondern auch die Homöostase des Nervengewebes aufrechterhält. Studien zeigen, dass Störungen in der Funktion dieser Barriere zu ernsthaften Komplikationen im zentralen Nervensystem führen können. Professor Hermann hat durch seine Forschungen Wege gefunden, die BHS gezielt zu beeinflussen, um die Wirksamkeit von therapeutischen Wirkstoffen zu erhöhen.

Ein elementares Merkmal der BHS ist ihr hohes Transportmanagement für essentielle Nährstoffe, unterstützt durch aktive Transportprozesse. Diese Dynamik ist besonders relevant, da neurologische Erkrankungen oft eine Beeinträchtigung der BHS nach sich ziehen, die medikamentöse Behandlung erschweren kann. Deshalb wird derzeit auch intensiv an Forschungen gearbeitet, die den Fokus auf die Überwindung der BHS legen.

Forschungsfortschritte im Labor

Ein moderner Ansatz in der Forschung zur BHS wurde 2018 initiiert. Ein Team begann, die Blut-Hirn-Schranke im Labor nachzubauen, unter Verwendung von induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) des Menschen. Dabei wurden alle Zelltypen hergestellt, die notwendig sind, um ein funktionierendes, dreidimensionales Gewebe zu schaffen, das den Blutgefäßen im Gehirn ähnelt. In Zusammenarbeit mit dem Labor von Prof. Dr. Martin Dichgans, Direktor des Instituts für Schlaganfall- und Demenzforschung, wurde herausgefunden, dass Veränderungen in den Endothelzellen, hervorgerufen durch Risikogene, die Funktion der BHS bei Schlaganfall-Patienten beeinträchtigen können.

Die Entwicklungen in Hermanns Forschung und den experimentellen Modellen eröffnen vielversprechende Perspektiven für die Behandlung neurologischer Erkrankungen. Diese Fortschritte könnten dazu beitragen, die komplexen Mechanismen der BHS besser zu verstehen und innovative therapeutische Ansätze zu entwickeln, die das Leben von Patienten wesentlich verbessern.