Pinar Dogantekin, Studentin im Masterstudiengang „Kultur der technisch-wissenschaftlichen Welt“, ist seit Anfang Februar 2026 mit dem Forschungsschiff „Polarstern“ im Südpolarmeer unterwegs. Diese internationale Forschungsexpedition, bekannt als „Summer Weddell Sea Outflow Study“, wird vom Alfred-Wegener-Institut geleitet und hat das Ziel, die Ursachen für den drastischen Rückgang des antarktischen Meereises zu ergründen und dessen Auswirkungen auf das Ökosystem zu untersuchen. Dogantekin, die einzige Journalistin an Bord, berichtet für Medien wie den Tagesspiegel, Zeit Campus und die NZZ.
Sie erstellt ihre Masterarbeit an der Technischen Universität Braunschweig unter der Betreuung von Professor Christian Kehrt und Professorin Henriette Bertram. Dabei untersucht sie die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und Nicht-Wissenschaftlern in der Meereisforschung, wobei ihr Fokus auf Wissensordnungen und Hierarchien liegt.
Herausforderungen der Expedition
Dogantekin ist eine leidenschaftliche Liebhaberin von Schnee, Eis und Kälte und war schon seit ihrer Kindheit von den Polargebieten fasziniert. Um an der Expedition teilnehmen zu können, musste sie verschiedene Anforderungen erfüllen, darunter eine medizinische Tauglichkeitsprüfung und die Absolvierung eines Umweltseminars. Die Reise stellt jedoch hohe Anforderungen an die Teilnehmer, insbesondere durch das Leben auf engem Raum mit etwa 50 Wissenschaftlern und 50 Besatzungsmitgliedern. Die Kabinen werden in der Regel zu zweit bewohnt, was die Rückzugsmöglichkeiten stark einschränkt.
Ein besonders anspruchsvoller Aspekt der Expedition ist die Zusammenarbeit der Science-Crew unter extremen Bedingungen. Das Forschungsteam untersucht die Folgen des Klimawandels für das Ökosystem in der Antarktis und betrachtet speziell das Weddellmeer. Diese Region von 2,8 Millionen Quadratkilometern ist ein Hotspot für Artenvielfalt mit tiefen Gewässern, die bis zu 5.000 Meter erreichen.
Forschungsziele und -methoden
Ein zentrales Ziel der Expedition ist die Etablierung eines Meeresschutzgebiets im Weddellmeer. Die Dringlichkeit dieser Initiative wird durch den Klimawandel unterstrichen, der zu einer Abnahme des Meereises führt. Solche Veränderungen könnten weitreichende negative Auswirkungen auf die Nahrungskette im Ozean haben, die unter anderem Mikroalgen, Zooplankton und Krill umfasst.
Die wissenschaftlichen Arbeiten umfassen umfassende Bestandsaufnahmen der Artenvielfalt in der Wassersäule. Dabei kommen verschiedene Methoden zum Einsatz, einschließlich der Nutzung von Sonden, Fangnetzen sowie Eis-, Wasser- und Sedimentproben. Die gesammelten Daten sollen langfristig für ein Erfassungssystem der Artenvielfalt im Weddellmeer verwendet werden.
Zusätzlich wird die Verwendung von Satelliten und automatischen Messgeräten angestrebt, um eine kontinuierliche Überwachung des Gebiets zu ermöglichen. Schallmuster werden zur Identifikation von Unterwasserlebewesen verwendet. Diese Daten sind entscheidend, um das Weddellmeer als Schutzgebiet auszuweisen, ein Vorhaben, das jedoch bereits durch internationale Verhandlungen erschwert wurde, da unter anderem Russland und China ein Veto gegen die Ausweisung eingelegt haben. Dies wird vermutet, um wirtschaftliche Interessen, insbesondere in Bezug auf die Krill-Fischerei, zu wahren.
Der Alltag auf der „Polarstern“
Der Alltag auf der „Polarstern“ ist geprägt von harter Arbeit unter extremen Bedingungen. Die Wissenschaftler sind ständig gefordert, die Probennahme-Geräte zu warten. Unter diesen Umständen ist Kaffee für die Crew von zentraler Bedeutung. Neben den Herausforderungen gibt es jedoch auch schöne Momente, wie das Bewundern der Eiskristalle auf dem Wasser. Dogantekin hat sich mental auf diese Expedition vorbereitet, indem sie sich mit ehemaligen Teilnehmern ausgetauscht hat und damit einen Einblick in die außergewöhnlichen Bedingungen gewinnen konnte.
Die Expedition ist nicht nur eine wichtige wissenschaftliche Untersuchung, sondern bietet auch eine Plattform für die Berichterstattung über den Klimawandel und dessen dramatische Auswirkungen auf unser Ökosystem. Dogantekin wird weiterhin von den faszinierenden Erlebnissen und Erkenntnissen berichten, die sie auf ihrer Reise durch das ewige Eis sammelt.