In einem bedeutenden Schritt zur Bekämpfung der Antibiotikaresistenz hat das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt ein neues Forschungsprojekt mit einem Budget von 3,4 Millionen Euro für fünf Jahre ins Leben gerufen. Unter der Leitung der Universität Ulm zielt das Projekt TrophicHealth darauf ab, die Auswirkungen organischer Düngung auf die Verbreitung von Antibiotika-Resistenzen in der Nahrungskette zu untersuchen.
Im Rahmen des Projekts werden die Risiken, die von Antibiotikarückständen und fremden Mikroben ausgehen, analysiert. Diese gelangen häufig über Schweinegülle in das Ökosystem und können das natürliche Mikrobiom im Boden erheblich stören. Die Gefahren für die öffentliche Gesundheit durch zoonotische Krankheitserreger und Antibiotika-resistente Erreger stehen dabei im Mittelpunkt der Forschung, wie Uni Ulm berichtet.
Forschungsteam und Methodik
Die Projektkoordinatorin, Professorin Simone Sommer von dem Institut für Naturschutzgenomik und evolutionäre Ökologie der Universität Ulm, wird zusammen mit renommierten Kollegen, darunter Professor Christian Riedel von der Mikrobiellen Biotechnologie sowie Professor Bork Berghoff von der Molekularbiologie, an diesem interdisziplinären Projekt arbeiten. Die Universitäten Regensburg und Gießen, das Robert Koch-Institut sowie das Julius Kühn-Institut sind ebenfalls an der Forschung beteiligt.
Ein zentraler Aspekt des Projekts ist der Vergleich verschiedener Düngemethoden. Gegenstand der Untersuchung sind minimal gedüngte Flächen, Flächen, die mit Schweinegülle aus intensiver Landwirtschaft behandelt wurden, sowie Flächen, die mit Biogas-Vergärresten oder Gülle aus extensiver Landwirtschaft gedüngt werden. Die Testflächen befinden sich in den Regionen Münster, Biberach und der Schwäbischen Alb, wo Landwirte ihre Flächen zur Verfügung stellen.
Ziele und langfristige Perspektiven
Das langfristige Ziel von TrophicHealth besteht darin, Handlungsempfehlungen sowohl für die Landwirtschaft als auch für die Politik zu entwickeln. Die Auswirkungen der verschiedenen Düngemethoden auf Böden, Pflanzen und Tiere — einschließlich Kot von Regenwürmern, Feldmäusen und Honigbienen — werden umfassend untersucht. Zudem erfolgt eine Analyse der mikrobiellen Belastung von Oberflächenwasser und Abwässern in Kläranlagen.
Ein innovativer Aspekt der Forschung ist der Einsatz von Hochdurchsatzmethoden zur Sequenzierung des Metagenoms sowie Big-Data-Analysen, mit denen Wege zur Wiederherstellung gesunder Böden und Gewässer erforscht werden sollen. Insbesondere soll der Fokus auf der Resilienz mikrobieller Gemeinschaften liegen, wobei mögliche Ansätze wie antimikrobielle Peptide und Bakteriophagen zur Regulierung von Krankheitserregern in Betracht gezogen werden.
Die Verbindung von intensiver Landwirtschaft, hohen Erträgen und gesunden Böden mit einem geringen gesundheitlichen Risiko für Mensch und Tier könnte schließlich zur Schaffung nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken beitragen und die Herausforderungen der Antibiotikaresistenz effektiv angehen.



