Das EuroWorm-Projekt zur Erforschung mariner Ringelwürmer nimmt innerhalb der meeresbiologischen Forschung eine zentrale Rolle ein. Geleitet vom Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) und unterstützt von der Leibniz-Gemeinschaft, zielt das Projekt darauf ab, einen umfassenden Datensatz über europäische marine Ringelwürmer aufzubauen. Mit dem vollen Namen „EuroWorm: Accelerating Global Marine Annelid Biodiversity Research With Open Genomic Data For European Species“ beinhaltet es umfassende morphologische und genetische Untersuchungen dieser wenig erforschten Tiergruppe. Dr. Jenna Moore, die Projektleiterin, hebt hervor, wie wichtig dieses Vorhaben für das Verständnis der Biodiversität in marinen Lebensräumen ist.

Ein zentrales Ziel des EuroWorm-Projekts ist die Beprobung von Typuslokalitäten in Europa, an denen viele Arten erstmals beschrieben wurden. Hierbei werden die Tiere nicht nur morphologisch bestimmt und hochauflösend fotografiert, sondern vor allem mit modernen genomischen Methoden untersucht. Diese Herangehensweise soll helfen, ein genomisches Inventar für europäische marine Anneliden zu erstellen. Dies wiederum könnte evolutionäre Fragestellungen klären und Einblicke in Körperbau, Fortpflanzung und Lebensweise dieser Organismen geben. Die gesammelten Daten werden in die Sammlungen des LIB und des Senckenberg Naturmuseums integriert, wo sie auch internationalen Forschenden, insbesondere aus dem Globalen Süden, zur Verfügung stehen werden.

Die ökologische Bedeutung mariner Ringelwürmer

Marine Ringelwürmer (Anneliden) spielen in den Ozeanen eine wesentliche Rolle. Sie sind nicht nur für die Sedimentdurchmischung und das Nährstoffrecycling unabdingbar, sondern auch wichtige Bioindikatoren für Umweltverschmutzung. Dennoch bleibt die tatsächliche Artenvielfalt dieser Würmer weitestgehend unbekannt, was das EuroWorm-Projekt besonders relevant macht. Durch die Kombination historischer Sammlungen mit modernster Genomik, wie von Dr. Maria Teresa Aguado Molina angemerkt, soll die Entdeckung neuer Arten beschleunigt und das Artensterben durch Faktoren wie Klimawandel und Lebensraumverlust bekämpft werden.

Prof. Dr. Christoph Bleidorn weist auf die lange Tradition der Ringelwurmforschung an der Universität Göttingen hin. Diese Tradition bildet den Ausgangspunkt für das interdisziplinäre Vorhaben, das von Dr. Conrad Helm als ein Fundament für zukünftige Forschungsschwerpunkte beschrieben wird. Der interdisziplinäre Zugang ist nicht nur innovativ, sondern auch notwendig, um den Herausforderungen des beschleunigten Artensterbens zu begegnen, das durch invasive Arten und den Klimawandel verstärkt wird, wie auch in der aktuellen Diskussion um die marine Biodiversität thematisiert wird.

Weitere Entwicklungen in der Meeresforschung

In einem breiteren Kontext ist dieser Forschungsschwerpunkt Teil der zunehmend dringenden Diskussion über die marine Biodiversität. Die neunte Ausgabe der „World Ocean Review“ (WOR), kürzlich erschienen und unter dem Titel „Marine Biodiversität – das vitale Fundament unserer Meere“, beleuchtet viele der Herausforderungen in diesem Bereich. Diese Publikation, die wenige Wochen vor Inkrafttreten des UN-Hochseeschutzabkommens veröffentlicht wurde, stellt zentrale Fragen zu Artenvielfalt und Umweltschutz und ist für Entscheidungsträger ebenso wie für die allgemeine Öffentlichkeit konzipiert.

Die WOR 9 behandelt Themen wie die genetischen Unterschiede unter marinen Spezies, den Rückgang der Artenvielfalt und die Notwendigkeit effektiver Schutzmaßnahmen. Sie bietet eine umfangreiche Wissensbasis für nachhaltige politische und gesellschaftliche Entscheidungen betreffend die Meere und Küstenregionen. Diesem Bild fügt das EuroWorm-Projekt eine wichtige Facette hinzu, indem es den Zugang zu wichtigen Daten und Referenzmaterial insbesondere für internationale Forscher verbessert.

Durch die vollständige Digitalisierung von Sammlungsdaten und deren Bereitstellung über Plattformen wie das Global Biodiversity Information Facility (GBIF) wird das EuroWorm-Projekt nicht nur den wissenschaftlichen Austausch fördern, sondern auch einen bedeutenden Beitrag zur modernen Forschungsinfrastruktur der Naturkundemuseen leisten.

Insgesamt ist das EuroWorm-Projekt ein entscheidender Schritt, um die unbekannte Vielfalt der marinen Ringelwürmer zu erforschen und letztlich den Weg für eine bessere Erhaltung der marinen Biodiversität zu ebnen.

Für weiterführende Informationen lesen Sie mehr bei Universität Göttingen, Leibniz-Library und Allianz Meeresforschung.