In einer aktuellen Studie, durchgeführt von Dr. Oliver Rittmann und seinem Team, wird untersucht, wie die Aufmerksamkeit für Redebeiträge im Stuttgarter Landtag verteilt ist. Die Analyse basiert auf 25.000 Interaktionen zwischen Abgeordneten, die aus Videoaufzeichnungen ausgewertet wurden. Die Ergebnisse sind alarmierend: Frauen erhalten während ihrer Reden systematisch weniger Aufmerksamkeit als ihre männlichen Kollegen. Dies berichtet die Universität Mannheim.

Laut den Ergebnissen der Untersuchung erhalten männliche Abgeordnete im Durchschnitt 5,86 Prozentpunkte weniger Aufmerksamkeit, wenn eine Frau spricht. Bei einer Redelänge von etwa fünf Minuten entspricht dies durchschnittlich 18 Sekunden weniger, die männliche Abgeordnete den weiblichen Rednern widmen. Im Gegensatz dazu zeigen Frauen eine gleichmäßige Aufmerksamkeit gegenüber männlichen und weiblichen Redebeiträgen. Der Frauenanteil im Stuttgarter Landtag liegt zurzeit bei rund 26 Prozent, was die Fragestellung nach der Chancengleichheit in der politischen Kommunikation weiter verstärkt.

Basisdaten der Studie

Die Studie analysierte 1.003 Reden über einen Zeitraum von 142 Debatten zwischen Juli 2018 und Juli 2019. Die Aufmerksamkeit wurde dabei anhand der Blickrichtung der Abgeordneten gemessen. Die Ergebnisse weisen auf ein grundlegendes Problem in der Wahrnehmung weiblicher Abgeordneter hin. Diese Tendenzen sind vermutlich auch in anderen Parlamenten zu beobachten, was die Frage nach strukturellen Ungleichheiten in der politischen Repräsentation aufwirft. In der Fachzeitschrift The Journal of Politics wird die Studie veröffentlicht und verspricht, wichtige Impulse für die Diskussion um Geschlechtergerechtigkeit in der Politik zu liefern.

Ein Hinweis auf den bundesweiten Kontext findet sich in der Arbeit der Bundesstiftung Gleichstellung, die die Notwendigkeit einer gleichberechtigten Repräsentanz von Frauen in der Politik betont. Trotz Fortschritten stagnieren die Zahlen des Frauenanteils in politischen Gremien wie dem Deutschen Bundestag seit Jahren bei etwa einem Drittel.

Folgen und Perspektiven

Diese neueste Forschung hebt die Dringlichkeit hervor, Maßnahmen zur Förderung der Sichtbarkeit weiblicher Stimmen in der Politik zu ergreifen. Das Verständnis darüber, dass weniger Aufmerksamkeit Frauen in ihrer politischen Arbeit benachteiligt, ist entscheidend, um strukturelle Veränderungen zu initiierten. Parallel dazu ist die Förderung von Programmen, die Frauen ermutigen sollen, in die Politik zu gehen, essenziell.

Abschließend zeigt die Untersuchung von Dr. Rittmann und seinem Team, dass es dringend notwendig ist, die Wahrnehmung und Wertschätzung weiblicher Abgeordneter zu stärken. Denn nur so lassen sich die grundlegenden Probleme der Gleichstellung in politischen Institutionen angehen und zukunftsweisende Veränderungen herbeiführen.