Am 13. Februar 2026 fand an der Universität Duisburg-Essen ein bedeutender Coffee Talk statt, der im Rahmen des Tags der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft veranstaltet wurde. Der Fokus der Veranstaltung lag auf der Geschlechtergleichheit im Wissenschaftssystem. Verena Bauernschmidt von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Dr. Eike Spielberg aus der Universitätsbibliothek waren die Hauptredner. Organisiert wurde die Diskussion unter der Schirmherrschaft des Prorektorats für Universitätskultur und Diversität, dem Diversity Support Center sowie weiteren Gleichstellungsbeauftragten der UDE.

Ein zentrales Thema war die Einladung von Bewerberinnen mit weniger Publikationen zu wissenschaftlichen Vorträgen. Bauernschmidt wies darauf hin, dass Frauen durch die bestehenden Publikationskriterien oft frühzeitig vom Karriereweg ausgeschlossen werden. Der Gender Publication Gap ist besonders prägnant in den Wirtschaftswissenschaften, wo Frauen rund 20% weniger publizieren als ihre männlichen Kollegen.

Herausforderungen für Frauen in der Wissenschaft

Die Diskussion legte auch offen, dass die Publikationen und die Drittmitteleinwerbung entscheidende Faktoren für Berufungsverfahren sind. Ein Antrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft hat das Ziel, Genderunterschiede im akademischen Karriereverlauf besser zu verstehen. Besorgniserregend ist, dass der Frauenanteil in bestimmten Karrierestufen der Wirtschaftswissenschaften stagniert. So sind nur 9% der Professuren in diesem Bereich an der UDE mit Frauen besetzt.

Die Gründe für diese Ungleichheit sind vielfältig. Männer haben häufiger Zugang zu Stellen an forschungsintensiven Einrichtungen, während Frauen tendenziell mehr akademische Serviceleistungen übernehmen. Zudem wurden Unterschiede in Netzwerken festgestellt, die Männer begünstigen. Beiträge von Frauen ohne männliche Koautoren werden häufiger abgelehnt, und Frauen benötigen in der Regel mehr Zeit für Überarbeitungen von Manuskripten.

Der Einfluss der Elternschaft

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Auswirkung der Elternschaft auf den Publikationsoutput. Während Vaterschaft sich positiv darauf auswirkt, haben Mütter oft mit negativen Effekten zu kämpfen. Um dieser diskrepanten Entwicklung entgegenzuwirken, sind Maßnahmen wie die Analyse von Co-Autorenschaften und Publikationsleistungen geplant.

Das Projekt sieht auch eine Befragung von Wirtschaftswissenschaftler:innen im deutschsprachigen Raum vor. Gleichzeitig stellte Dr. Spielberg die UDE Gender Publication Gap App vor, die Daten zur Publikationsbeteiligung in Bezug auf Geschlechter bereitstellt, jedoch keine Ursachenanalysen vornimmt. Zwischen 2021 und 2026 war der Frauenanteil in der Fakultät für Bildungswissenschaften höher als der der Männer, während in der Fakultät für Ingenieurwissenschaften ein signifikantes Ungleichgewicht vorlag: 63% der Publikationen stammten von Männern.

Trend zur Sichtbarkeit und Chancengleichheit

Im Gesamten entfielen 73% der Publikationsbeteiligungen an der UDE zwischen 2021 und 2026 auf Männer, was einen Gender Publication Gap von 46% offenbart. Auch der Gender Staff Gap, der den Unterschied im Anteil von Frauen und Männern unter wissenschaftlich Beschäftigten misst, lag zwischen 2021 und 2024 bei 15%. Besonders im MINT-Bereich ist der Frauenanteil nach wie vor gering – 2022 betrug er lediglich 32,4%.

Diese Herausforderungen sind Teil eines größeren Trends, den auch das Bundesministerium für Forschung sieht. Der abnehmende Frauenanteil an Hochschulen, bekannt als „Leaky Pipeline“, zeigt sich besonders auf den höheren Karrierestufen: 46% der Doktorandinnen, 36% der Habilitandinnen und nur 29% der Professorinnen sind weiblich.

Die Initiativen zur Förderung von Geschlechtergleichheit in der Wissenschaft, wie das Professorinnenprogramm sowie die Kaskadenmodelle zur Gleichstellung, sind entscheidend, um die Sichtbarkeit und Chancengerechtigkeit für Frauen in der Forschung zu erhöhen. Auch die Förderinitiative „Vielfalt verbindet“ unterstützt Projekte mit dem Ziel, die Chancengerechtigkeit zu stärken. Ihre Ergebnisse sind nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Bedeutung.