Der Botanische Garten der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) bietet auch im Frühling eine Vielzahl an Attraktionen und botanischen Wundern, die sowohl Fachleute als auch Besucher anlocken. Flechten, diese unscheinbaren, aber faszinierenden Organismen, bilden einen bedeutenden Teil des Ökosystems des Gartens. Sie sind Symbioseorganismen, die aus Pilzen und photoynthetisierenden Partnern, wie Grünalgen oder Cyanobakterien, bestehen. Flechten wachsen auf unterschiedlichsten Untergründen, von Baumrinde bis hin zu Beton, und sind besonders empfindlich gegenüber Veränderungen ihrer Umwelt, was sie zu hervorragenden Indikatoren für Klima- und Luftgüteveränderungen macht, wie hhu.de berichtet.
Ein bemerkenswertes Merkmal dieser Organismen ist, dass sie nicht erfolgreich verpflanzt oder gezüchtet werden können; lediglich die isolierten Pilz- und Algenpartner lassen sich kultivieren. Im Botanischen Garten sind viele verschiedene Flechtenarten zu finden, die oft in Gruppen nach Wuchsform klassifiziert werden. Hierzu zählen Krustenflechten, die eng an die Untergründe gebunden sind, sowie die Caperatflechte (Flavoparmelia caperata), die häufig auf Bäumen zu finden ist. Auch die Wand-Gelbflechte (Xanthoria parietina) hat sich, je nach Standort, grünliche oder gelbe Farbnuancen angeeignet, während Becherflechten der Gattung Cladonia strauchförmige, aufrechte Körper ausbilden.
Vielfältige Flora im Botanischen Garten
Zusätzlich zu den Flechten bietet der Botanische Garten eine beeindruckende Vielfalt an Frühblühern. Unter ihnen finden sich Christrose, Schneeglöckchen, Krokus und Rosmarin. Auch die Bäume zeigen sich blühend, darunter der Duftende Schneeball und diverse Obstbäume. Besonders hervorzuheben ist die Tulpen-Magnolie (Magnolia x soulangeana ‚Lennei‘), die etwa Ende März bis April in voller Pracht erblüht. Zudem haben die Schwarz-Erlen (Alnus glutinosa) männliche Blütenstände gebildet, während in der Nutzpflanzenabteilung ein beeindruckender Rosenkohl (Brassica oleracea var. gemmifera) präsentiert wird.
Das Kuppelgewächshaus, das Pflanzen aller Kontinente beherbergt, zeigt zur Zeit blühenden Kanaren-Ginster und Stengellose Gänsedistel. Der Botanische Garten, der im Jahr 1979 eröffnet wurde und sich über 8 Hektar erstreckt, ist Teil des Grüngürtels von Düsseldorf und zieht jährlich rund 100.000 Besucher an.
Flechten und Moose: Exkursionen und Biodiversität
Eine besondere Veranstaltung fand am 10. November 2024 statt, als eine Exkursion in Düsseldorf-Garath die Vielfalt der dort ansässigen epiphytischen Moose und Flechten erkundete. Der Experte Dr. Norbert Stapper leitete die Gruppe, die an Baumstämmen auf etwa 25 bis 30 verschiedene Flechtenarten stieß. Unter diesen waren Arten, die durch den Klimawandel begünstigt werden, wie Hypotrachyna, Parmotrema und Punctelia. Diese Exkursion verdeutlichte die Relevanz der Biodiversität, die auch im Kontext des Klimawandels wichtig ist, wie botanik-bochum.de betont.
Die Exkursion enthielt eine Reihe spannender Entdeckungen, darunter Flechten wie Evernia prunastri und Hypogymnia physodes. Zudem wurde die seltene Flavopunctelia flaventior, die seit 2000 in NRW dokumentiert ist, an einem Baum gefunden. Eine umfassende Artenvielfalt wurde beobachtet, und der Kontakt zu den Teilnehmern förderte das Bewusstsein für die Bedeutung dieser Rückzugsorte für unser Ökosystem.
Biodiversität im Fokus
In einer Zeit, in der ein Drittel der heimischen Wildpflanzen gefährdet ist, betont die Präsidentin des BfN, Sabine Riewenherm, die Rolle botanischer Gärten als Genbanken und Expertenzentren für den Schutz und Erhalt von Wildpflanzen. Diese Pflanzen sind entscheidend für stabile Ökosysteme und haben wesentliche klimaregulierende Funktionen. Während der BfN-Gartengespräche wurden relevante Themen diskutiert, die die Bedeutung von Biodiversität im Kontext des Klimawandels adressierten, was auch auf die Initiative von bfn.de hinweist.
Die Gespräche behandelten zusammen mit hochkarätigen Gästen und Wissenschaftlern die Herausforderungen und Möglichkeiten, den Artenreichtum in Deutschland zu schützen. Die Veranstaltung ermöglichte nicht nur den Austausch über wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auch eine direkte Interaktion mit dem Publikum im Rahmen eines Rundgangs durch den Botanischen Garten.
Besucher des Botanischen Gartens können zudem den kostenfreien Audioguide auf Deutsch und Englisch nutzen und sich an einem vielfältigen Vortrags- und Führungsprogramm beteiligen, welches für alle Altersgruppen geeignet ist, und die spannende Welt der Pflanzen und ihrer Bedeutung für die Natur näher bringen.