Die Wohnraumberatung spielt eine entscheidende Rolle für das selbstbestimmte Wohnen im Alter. Ein aktuelles Forschungsprojekt, das unter dem Titel „Professionalisierung der Wohnraumberatung in Brandenburg“ (ProWoB) durchgeführt wird, zeigt jedoch, dass diese Beratung oft erst in Anspruch genommen wird, wenn akuter Unterstützungsbedarf besteht. Prof. Dr. Alexandra Retkowski, die Projektleiterin von ProWoB, hebt hervor, welches Potenzial frühzeitige Beratung hat, um Pflegebedürftigkeit zu verzögern und die Selbstständigkeit älterer Menschen zu bewahren. Studienergebnisse deuten darauf hin, dass viele Menschen erst nach einem Krankenhausaufenthalt oder bei plötzlicher Pflegebedürftigkeit Hilfe suchen.

Interviews mit Wohnraumberater*innen, die Teil des Projekts sind, haben ergeben, dass die Beratung häufig erst dann erfolgt, wenn die Situation bereits kritisch ist. Dies wirft die Frage auf, wie die präventive Wirkung dieser Dienstleistungen gesteigert werden kann. Pflegestützpunkte stellen eine wichtige Anlaufstelle dar, doch ihr präventives Potenzial bleibt oft ungenutzt.

Hindernisse für präventive Beratung

Eine Vielzahl von Faktoren trägt zur begrenzten Nutzung der Wohnraumberatung in präventiven Situationen bei. So sind die Kapazitäten oft eingeschränkt und die öffentliche Sichtbarkeit der Angebote gering. Auch die inhaltlichen Überschneidungen mit bestehender Pflegeberatung erschweren es den Betroffenen, die notwendigen Informationen und Hilfen zu erhalten. Der abschreckende Begriff „Pflege“ kann zudem dazu führen, dass ältere Menschen zögern, Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen.

Das ProWoB-Projekt sieht daher dringenden Handlungsbedarf. Um eine präventivere, ganzheitlichere und professionellere Wohnraumberatung sicherzustellen, werden Maßnahmen wie die Professionalisierung der Berater*innen, eine gesicherte Finanzierung sowie eine stärkere Einbindung sozialräumlicher Themen gefordert. Laut den Projektunterlagen wird Wohnraumberatung als Investition in Lebensqualität, soziale Teilhabe und die Zukunftsfähigkeit von Kommunen betrachtet.

Ziele und Hintergründe des Projekts

Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, die Versorgungssituation in der Lausitz genauer zu untersuchen und dabei spezifische Qualitätsmerkmale der Wohnraumberatung zu identifizieren. Es soll ein Fortbildungs- und Implementierungskonzept erprobt werden, das die Grundlage für eine partizipative Weiterentwicklung sowie die langfristige Verstetigung der Wohnraumberatung bildet. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), was eine wichtige Unterstützung für die angestrebten Verbesserungen darstellt.

Insgesamt zeigt sich, dass das Potential der Wohnraumberatung in Brandenburg noch lange nicht ausgeschöpft ist. Ein Umdenken in Richtung präventiver Dienste könnte nicht nur die Lebensqualität vieler älterer Menschen verbessern, sondern auch die Kommunen zukunftsfähig machen. Die Erkenntnisse aus dem ProWoB-Projekt sind ein bedeutender Schritt in diese Richtung. Weitere Informationen dazu finden Sie auf b-tu.de.