Am 14. Februar 2026 veröffentlichten Forscher der Goethe-Universität bahnbrechende Ergebnisse über die Rolle der Ameisensäure im menschlichen Darm. In ihrer Studie entdeckten sie, dass Ameisensäure als entscheidendes „Taxi“ für Elektronen sowohl innerhalb von Bakterien als auch zwischen verschiedenen Mikroorganismen fungiert. Dies eröffnet neue Perspektiven für das Verständnis der mikrobiellen Vielfalt und der Stoffwechselstrategien, die im Darm ablaufen.
Das spezifische Darmbakterium Blautia luti spielt eine zentrale Rolle bei diesen Prozessen. Es produziert Ameisensäure, um einen flexiblen Stoffwechsel aufrechtzuerhalten. Diese Fähigkeit ermöglicht es B. luti, sowohl Kohlenhydrate als auch gefährliches Kohlenmonoxid, das beim Hämoglobin-Abbau entsteht, abzubauen. Das Bakterium lebt dabei unter anaeroben Bedingungen und gärt, was zur Produktion verschiedener Metaboliten wie Laktat, Succinat, Ethanol, Kohlendioxid und Wasserstoff führt.
Der Stoffwechsel der Blautia luti
Eine interessante Facette der Forschung ist die Umwandlung von Wasserstoff durch Archaeen zu Methan, was den Wasserstoffhaushalt im Darm reguliert. B. luti vermeidet Energieverluste, indem es Ameisensäure anstelle von Kohlendioxid und Wasserstoff produziert. Diese effiziente Energiegewinnung geschieht durch das Enzym Pyruvat-Formiat-Lyase, welches die Ameisensäure bildet. Statt diese abzubauen, nutzt das Bakterium die Ameisensäure direkt, da es keine Formiat-Dehydrogenase besitzt.
Die enzyklopädische Studie hebt hervor, dass Ameisensäure sich im Darm nicht anreichert. Stattdessen wird sie von methanogenen Archaeen verwertet. B. luti leistet somit einen bedeutenden Beitrag zur Entgiftung von Kohlenmonoxid und produziert auch Succinat, das das Wachstum anderer nützlicher Darmbakterien fördert. Diese Wechselwirkungen verdeutlichen die Vielseitigkeit des mikrobialen Stoffwechsels im menschlichen Darm und betonen die Bedeutung von B. luti in diesem Kontext.
Vielfalt der Stoffwechselstrategien
Die Erkenntnisse zeigen nicht nur die Rolle von Ameisensäure, sondern auch die Vielfalt der Stoffwechselstrategien im Darm auf. Die Publikation von Raphael Trischler und Volker Müller mit dem Titel „Formate as electron carrier in the gut acetogen Blautia luti: a model for electron transfer in the gut microbiome“ ergänzt den Wissensstand der Mikrobiomforschung erheblich, indem sie die Funktionsweise dieses spezifischen Bakteriums beleuchtet. Diese Fortschritte in der Forschung könnten letztlich neue Wege eröffnen, um das menschliche Mikrobiom besser zu verstehen und seine Funktionalität zu optimieren.