Die Einführung von generativer Künstlicher Intelligenz (GenAI) in Unternehmen bringt nicht nur technische Neuerungen, sondern auch erhebliche psychologische Herausforderungen für die Beschäftigten mit sich. Eine Studie unter der Leitung von Dr. Erik Hermann und seinen Kollegen hat die Reaktionen von Arbeitnehmern auf diesen digitalen Wandel untersucht. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der Harvard Business Review publiziert und zeigen, dass viele Beschäftigte mit Frustration und Bedrohungsgefühlen auf die Implementierung von GenAI reagieren, da sie Ängste bezüglich ihrer beruflichen Zukunft hegen.

Ein zentrales Ergebnis der Forschung ist die Angst der Arbeitnehmer vor dem Verlust ihrer eigenen Kompetenzen. Viele befürchten, dass ihre Fähigkeiten durch die Automatisierung überflüssig werden. Darüber hinaus entsteht ein Gefühl des Kontrollverlusts, wenn die Nutzung von GenAI als verpflichtend wahrgenommen wird. Ein weiterer kritischer Aspekt ist die Befürchtung des Verlusts sozialer Verbundenheit, da Kollaborationstechnik durch KI-basierte Prozesse ersetzt werden könnte, was letztlich zu Isolation führt.

Einschätzung der Auswirkungen

Diese Ängste haben konkrete Auswirkungen auf die Motivation, Leistung und das Vertrauen der Beschäftigten in ihr Arbeitsumfeld. In extremen Fällen greifen einige Beschäftigte zu negativen Bewältigungsstrategien, die von Rückzug bis hin zu aktiver Sabotage von GenAI-Initiativen reichen. Solche Reaktionen können nicht nur die Produktivität, sondern auch das Betriebsklima nachhaltig beeinträchtigen.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, empfiehlt die Studie verschiedene praktikable Ansätze. Unternehmen wie Duolingo setzen beispielsweise auf transparente Kommunikation, um den Mitarbeitenden zu verdeutlichen, dass GenAI sie unterstützen, aber nicht ersetzen soll. PwC verfolgt eine Kombination aus Schulungsmaßnahmen, Experimentierumgebungen und die Einbeziehung interner Multiplikatoren, während die Bank of New York einen breiten Zugang zu GenAI-Tools für alle Mitarbeitenden fördert.

Empfehlungen für Führungskräfte

Entscheidend ist, dass Führungskräfte die Einführung von GenAI nicht ohne die Mitsprache der Beschäftigten vornehmen. Es muss vermieden werden, den Eindruck zu erwecken, dass GenAI ausschließlich der Effizienzsteigerung dient. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Notwendigkeit, Trainings anzubieten und gleichen Zugang zu den Tools zu gewährleisten. Das AWARE-Framework bietet hierbei fünf wesentliche Führungsprinzipien:

  • Acknowledge: Offene Ansprache von Sorgen und psychologischen Bedürfnissen.
  • Watch: Frühe Erkennung negativer Bewältigungsstrategien und Intervention.
  • Align: Trainings und Feedbacksysteme an den Bedürfnissen der Beschäftigten ausrichten.
  • Redesign: Arbeit und Prozesse neu denken, sodass Technologie und Mensch sich ergänzen.
  • Empower: Transparenz schaffen und Mitarbeitende an Implementierungsentscheidungen beteiligen.

Angesichts der weitreichenden Veränderungen, die GenAI in den Arbeitsalltag bringen wird, ist es entscheidend, diesen Prozess als psychologische sowie kulturelle Transformation zu verstehen, die sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber in die Verantwortung zieht und zur gemeinsamen Gestaltung einer Zukunft einlädt.

Für weitere Informationen und tiefere Einblicke in die Thematik sei auf die Inhalte von Europa-Universität, BSI sowie vdiz verwiesen.