Die juristische Ausbildung steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Um die neuen Herausforderungen des digitalen Zeitalters zu meistern, hat die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität des Saarlandes beschlossen, die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) im Studium uneingeschränkt zu erlauben. Dies umfasst unter anderem Haus- und Seminararbeiten. Zudem wird von Seiten der Fakultät ein hoher Wert auf die Eigenständigkeit und eine verantwortungsvolle Nutzung von KI gelegt. Die juristische Ausbildung soll somit aktiv in das KI-Zeitalter überführt werden. Professor Georg Borges, Rechtsinformatiker an der Universität, hat hierzu ein besonderes Experiment ins Leben gerufen.

Borges sucht 100 Jura-Studierende aus Deutschland, die bereit sind, in einem achtstündigen Zeitraum eine Hausarbeit mithilfe von KI zu erstellen. Ziel des Experiments ist es, Erfahrungen mit KI-Werkzeugen zu sammeln und zu erforschen, wie akademische Arbeiten, die mit Hilfe von KI erstellt wurden, fair bewertet werden können. Borges hebt die Notwendigkeit hervor, dass die Studenten lernen, KI sinnvoll zu nutzen, insbesondere da Künstliche Intelligenz bereits in Kanzleien, der Justiz, der Verwaltung sowie in Unternehmen ihre Anwendung findet. Während manche über die Abschaffung von Hausarbeiten nachdenken, betrachtet Borges diese nach wie vor als unverzichtbar. Die Unterstützung der Fakultät umfasst auch Coaching-Programme, die den Studierenden helfen, typische Fehler bei der Nutzung von KI zu vermeiden und methodische Aspekte zu betonen. Diese Initiative ist Teil des „Juristischen KI-Projekts Saarbrücken“.

Innovative Ansätze in der juristischen Ausbildung

Die Fakultät plant darüber hinaus Lehrveranstaltungen, die darauf abzielen, den Umgang mit generativen KI-Systemen zu schulen. Studierende können sich kostenlos per E-Mail anmelden. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit dem Institut für Rechtsinformatik, das auch spezialisierte Studiengänge in IT-Recht und Rechtsinformatik anbietet, darunter einen LL.M-Studiengang und Zertifikatsprogramme.

Die Entwicklung der juristischen Profession ist gegenwärtig nicht nur auf die Universität des Saarlandes beschränkt. Laut der Analyse von Experten stehen Berufszweige wie Anwälte, Notare oder Unternehmensberater an einem Wendepunkt, der durch Digitalisierung und Automatisierung geprägt ist. Veränderungen in den Anforderungen an Qualifikationen und interne Strukturen sind unübersehbar. Eine Prognose von McKinsey deutet darauf hin, dass generative KI zahlreiche traditionelle juristische Aufgaben ablösen wird. Zukünftige Juristen müssen sich stärker kreativ und strategisch betätigen und digitale Kompetenzen entwickeln.

Praktische Lernerfahrungen durch Hackathons

Die Integration praktischer Lernformate wie Hackathons in die juristische Ausbildung könnte eine Schlüsselrolle bei der Vorbereitung von Juristen auf die Herausforderungen des KI-Zeitalters spielen. Hackathons bieten eine Plattform für interdisziplinäre Zusammenarbeit und praktische Kompetenzentwicklung, indem sie den Teilnehmern ermöglichen, an realen Herausforderungen zu arbeiten, häufig unterstützt von Mentoren und Sponsoren. Unlängst wurde der Hackathon „KI für die öffentliche Verwaltung“ im Rahmen der IRIS 2025 Konferenz durchgeführt. Diese Events fördern nicht nur digitale Kompetenzen, sondern bieten auch den Vorteil, die Relevanz juristischer Ausbildung für zukünftige Herausforderungen zu erhöhen.

Die Notwendigkeit, die juristische Ausbildung zu transformieren, ist in der Fachwelt unbestritten. Die Implementierung innovativer Ansätze, etwa die Förderung von IT-Kompetenzen und den Einsatz von Legal Tech, muss vorangetrieben werden, um Juristen optimal auf die Veränderungen in ihrer beruflichen Welt vorzubereiten.