Die Technische Universität Chemnitz hat ein umfassendes aktualisiertes Gleichstellungskonzept für ihr hauptberufliches Personal eingeführt, das auf die Anforderungen des Sächsischen Hochschulgesetzes (SächsHSG) abgestimmt ist. Dieses Konzept wurde in Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus im Rahmen der Zielvereinbarung für die Jahre 2025-2028 erarbeitet. Der Senat der TU Chemnitz hat seine Stellungnahme dazu am 2. Dezember 2025 abgegeben, und das Rektorat hat das Konzept am 10. Dezember 2025 beschlossen.
Das neue Konzeptнаlt einen wesentlichen Bestandteil der Gesamtstrategie der Technischen Universität dar und zielt darauf ab, Gleichstellung und Chancengleichheit zu fördern. Es adressiert vor allem acht zentrale Handlungsfelder, darunter die Gewinnung von Frauen in MINT-Fächern, die Steigerung des Anteils von Professorinnen sowie die Förderung eines Kulturwandels hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit. Die TU Chemnitz weist mit einem Anteil von 23,2% an Professorinnen und Juniorprofessorinnen einen überdurchschnittlichen Wert auf, der über dem deutschen Durchschnitt von 21% an Technischen Universitäten liegt.
Geplante Maßnahmen und Ziele
Zu den vorgesehenen Maßnahmen des neuen Gleichstellungskonzepts gehören mehrere spezifische Initiativen. Dazu zählen das Mentoring-Projekt WoMent_You für Wissenschaftlerinnen sowie Kurzzeitstipendien und Reisekostenzuschüsse. Zudem werden Preise für hervorragende Abschlussarbeiten von Absolventinnen wie der Marie-Pleißner- und Eleonore-Dießner-Preis ausgelobt. Diese sind mit 800 Euro dotiert und sollen vor allem talentierte Frauen im MINT-Bereich fördern.
Der Familienservice und verschiedene Weiterbildungsangebote des Zentrums für den wissenschaftlichen Nachwuchs sind ebenfalls Teil des Konzepts, welches von der TU Chemnitz den Prädikat „Gleichstellung: ausgezeichnet!“ im Rahmen des Professorinnenprogramms III erhalten hat. Auch der MINT-Wissenschaftlerinnenrat der Universität unterstützt die Vernetzung und den Austausch von Nachwuchswissenschaftlerinnen in technischen Berufen.
Hintergrund und strategische Bedeutung
Die Herausforderungen der Gleichstellung in der Wissenschaft sind nicht neu und spiegeln sich auch in den bundesweiten Statistiken wider. Trotz einer hohen Bildung von Frauen in Deutschland verringert sich ihr Anteil an Hochschulen mit fortschreitender akademischer Laufbahn, ein Phänomen, das als „Leaky Pipeline“ bekannt ist. Laut dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) sind nur noch 29% der Professoren Frauen, obwohl der Anteil der Doktorandinnen bei 46% und der Habilitandinnen bei 36% liegt. Um diesem Trend entgegenzuwirken, entwickelte das BMFTR Programme zur Förderung der Gleichstellung und Chancengerechtigkeit.
Die Technische Universität Chemnitz hat sich dem Thema Gleichstellung nicht nur durch interne Maßnahmen angenommen, sondern auch durch ein breites, interdisziplinäres Studienangebot, das sich über 36 Bachelor- und 49 Masterstudiengänge erstreckt. Das Engagement der Universität zur Förderung von Chancengleichheit zeigt sich auch in Programmen wie dem „Girls‘ Tandem“-Mentoring für Schülerinnen im MINT-Bereich sowie der Campuswoche, die jungen talentierten Frauen Einblicke in die Hochschullandschaft bietet.
Die Kombination aus nationalen Initiativen wie dem Professorinnenprogramm und lokalen Maßnahmen wie dem neuen Gleichstellungskonzept der TU Chemnitz bildet einen wichtigen Schritt in Richtung einer gerechteren Wissenschaft und bietet exemplarische Ansätze zur Verbesserung der Situation von Frauen in akademischen Positionen.