Angesichts des anhaltenden Klimawandels gewinnt das Verständnis der Gletscherseen weltweit an Bedeutung. Ein Forschungsteam der Universität Potsdam und der University of Leeds hat in einer umfassenden Analyse über 71.000 Gletscherseen erfasst. Dies geschah im Rahmen einer Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Water“ veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse zeigen nicht nur die sprunghafte Zunahme der Gletscherseen, sondern auch deren enormen Wert als Ressource.
Die beschleunigte Gletscherschmelze führt dazu, dass diese Gewässer, die rund 2.000 Kubikkilometer Süßwasser speichern, weiterhin wachsen. Zum Vergleich: Dies entspricht mehr als dem 40-fachen Volumen des Bodensees. Besonders bemerkenswert ist, dass über 80% der Gletscherseen kleiner als 0,1 Quadratkilometer sind und zwar weniger als 1% des Gesamtvolumens speichern. Die 40 größten Seen hingegen enthalten mehr als die Hälfte des globalen Schmelzwassers in Gletscherseen.
Verteilung der Gletscherseen
Die größten Wasserspeicher befinden sich in Grönland, Alaska und der kanadischen Arktis. Dort entfallen rund zwei Drittel des weltweiten Gletscherseevolumens. In den europäischen Alpen liegt jedoch lediglich etwa 0,2% dieses Gesamtvolumens, mit minimalen Veränderungen in der Zukunft zu rechnen.
Ein weiteres interessantes Projekt ist das Gornerli-Projekt in den Schweizer Alpen. Hier plant man den Bau einer 85 Meter hohen Staumauer, um einen Stausee mit über 150 Millionen Kubikmetern Wasser zu schaffen. Dieser Stausee könnte potenziell Wasserkraft für mehr als 140.000 Haushalte liefern, wobei die geschätzten Baukosten bei 375 Millionen US-Dollar liegen.
Dynamik der Gletscherseen
Gletscherseen gelten nicht nur als wertvolle Wasserressourcen, sondern auch als dynamische Lebensräume. Ihre Volumina können durch Sedimentablagerungen schnell abnehmen. Simulationen zeigen, dass kleine Gletscherseen in nur wenigen hundert Jahren verlanden könnten. In den europäischen Alpen wird erwartet, dass das Volumen bis 2200 um 10 bis 50% verringert wird.
Angesichts dieser Herausforderungen ist ein nachhaltiges Management der Gletscherseen von entscheidender Bedeutung. Es erfordert eine sorgfältige Abwägung zwischen wirtschaftlicher Nutzung und dem Schutz dieser natürlichen Systeme. Die neuen Schätzungen bieten dabei einen entscheidenden Entscheidungsrahmen für politische Entscheidungsträger, insbesondere in Bezug auf die regionale Süßwasserversorgung und die Erhaltung der Ökosystemleistungen.