Eine bedeutende neue Studie zur Niederschlagsgeschichte der Sahara zeigt, dass die Region in der Vergangenheit mehrfach von langen Feuchtphasen geprägt war. Ein 16 Meter langer Bohrkern aus dem Yoa-See im Tschad liefert wertvolle Einblicke in diese Entwicklung. Die Untersuchung, geleitet von der Universität zu Köln, belegt eine anhaltende Feuchtphase, die etwa 14.800 bis 5.500 Jahre vor heute andauerte, unterbrochen von kurzfristigen Trockenheiten. Diese Ergebnisse sind in der renommierten Fachzeitschrift Nature veröffentlicht worden. Signifikant war, dass an der Studie Forschungseinrichtungen aus mehreren Ländern, darunter Deutschland, Frankreich, Belgien, Tschad und China, beteiligt waren.
In den 1970er und 1980er Jahren erlebte die Sahara und die angrenzende Sahel-Zone eine verheerende Dürre, die zu Hungersnöten führte. Doch in den folgenden Jahrzehnten kam es zu einem Anstieg der Niederschläge, was teilweise auf die globale Erderwärmung zurückgeführt wird. Bemerkenswert ist, dass in der Erdgeschichte bereits häufig eine fruchtbare, grüne Sahara existierte, bedingt durch Veränderungen der Erdbahnparameter und eine erhöhte Sonneneinstrahlung. Während der letzten Feuchtperiode war die Sahara von einer Savanne mit Seen, Flüssen und florierenden Kulturen geprägt.
Klimaerwärmung und zukünftige Niederschläge
Die Forschung zeigt auch, dass der Yoa-See, der vor etwa 10.800 Jahren entstand, über einen kontinuierlichen Grundwasserzufluss verfügt, welcher sein Austrocknen verhindert. Analysen des Sedimentkerns belegen zudem, dass die Feuchtperiode mindestens dreimal durch Trockenereignisse gestört wurde, zuletzt vor etwa 6.300 Jahren. Interessanterweise wurde das Trockenereignis vor 8.200 Jahren als 77 Jahre andauernd identifiziert, was auf eine Korrelation mit einer Abkühlung im Nordatlantik hindeutet, die durch den Süßwassereintrag eines alten Eisstausees in Nordamerika verursacht wurde.
Aktuelle ozeanographische Daten weisen auf eine Abschwächung der ozeanischen Umwälzzirkulation im Atlantik hin, möglicherweise bedingt durch das Schmelzen von Grönland. Diese Rahmenbedingungen sind jedoch nicht mit denen vor 8.200 Jahren zu vergleichen, was die präzisen Vorhersagen zukünftiger Niederschlagsentwicklungen betrifft. Die Forschenden betonen daher die Notwendigkeit weiterer Anstrengungen zur genaueren Vorhersage der Niederschlagsentwicklung in der Sahara, die auch von den veränderten klimatischen Bedingungen beeinflusst wird.
Prognosen für die Zukunft der Sahara
Zusätzlich zu diesen historischen Analysen prognostiziert eine neue Studie der University of Illinois Chicago, dass die Sahara bis zum Ende des Jahrhunderts erheblich grüner werden könnte. Der Niederschlag in dieser Region könnte um bis zu 75 Prozent zunehmen, was weitreichende Auswirkungen auf die Klimabilanz Afrikas hätte. Aktuell fallen in der Sahara durchschnittlich etwa acht Zentimeter Regen pro Jahr. Die Studie, die im Fachjournal npj Climate and Atmospheric Science veröffentlicht wurde, bezieht sich auf Simulationen des afrikanischen Sommerregens zwischen 2050 und 2099 und wurde unter Leitung von Thierry Ndetatsin Taguela durchgeführt. Hierfür wurden 40 verschiedene Klimamodelle berücksichtigt.
Selbst bei moderaten und hohen Emissionen zeichnen die Modelle ein Bild von einem deutlichen Anstieg der Niederschläge, insbesondere in der Sahara. Wenn diese Prognosen zutreffen, könnte die Region am Ende des Jahrhunderts fast doppelt so viel Regen erhalten wie in der Geschichte zuvor. Diese veränderten Niederschlagsmuster könnten Milliarden von Menschen betreffen, sowohl innerhalb als auch außerhalb Afrikas. Allerdings bringt mehr Regen nicht nur Vorteile: Er könnte auch Überschwemmungen, veränderte Flussverläufe und neue landwirtschaftliche Herausforderungen mit sich bringen.
Um diesen Veränderungen gerecht zu werden, werden frühzeitige Anpassungsstrategien als entscheidend erachtet. Dazu gehören nachhaltige Wasserbewirtschaftung und die Entwicklung dürreresistenter Pflanzen. Die Sahara, die sich über rund 9 Millionen Quadratkilometer erstreckt und etwa 26-mal so groß ist wie Deutschland, hat im Laufe der Jahrtausende mehrere Feuchtphasen durchlebt und war zeitweise von fruchtbarer Savannenlandschaft geprägt. Aktuell leben rund drei Millionen Menschen in dieser Region, überwiegend Nomaden und Bauern, die vom Viehhandel und dem Anbau in Oasen leben. Zudem sind unter dem Wüstensand große Vorkommen von Rohstoffen wie Erdöl, Erdgas, Uran und Phosphaten zu finden, was die wirtschaftliche Relevanz der Sahara weiter steigert.
Diese Entwicklungen schreien förmlich nach einem interdisziplinären Ansatz in der Forschung. Der Bedarf an aktivem Handeln, um diesen dynamischen Veränderungen zu begegnen, könnte größer nicht sein.



