Die Musikwelt hat einen neuen Schatz in Form von über 4.000 historischen Musikhandschriften, die nun im Katalog des Répertoire International des Sources Musicales (RISM) recherchierbar sind. Nach mehr als fünf Jahren intensiver Erschließungsarbeiten an der Universitätsbibliothek Rostock sind die Arbeiten im Dezember 2025 abgeschlossen worden. Damit stehen die Bestände, die überwiegend von Erbprinzen Friedrich Ludwig von Württemberg-Stuttgart und seiner Tochter Herzogin Luise Friederike von Mecklenburg-Schwerin stammen, der Öffentlichkeit zur Verfügung.
Die umfangreiche Sammlung umfasst nicht nur Werke aus der Rostocker Singakademie, sondern auch Handschriften von verschiedenen Rostocker Bürgerfamilien. Besonders bemerkenswert sind die Stücke des 16. Jahrhunderts, die ihren Ursprung in der Bibliothek des Herzogs Johann Albrecht I. haben. Die Mühe hat sich gelohnt: Innerhalb von etwa 1.100 Handschriften, die über vier Jahrhunderte datiert sind, sind nun Datensätze erstellt worden, die ein breites Spektrum musikalischer Werke dokumentieren.
Historische Dokumentation und ihre Bedeutung
Die Erschließungsarbeiten wurden von einem engagierten Team durchgeführt, angeführt von Dr. Miriam Roner und Amrei Flechsig. Diese Initiative ist Teil eines international tätigen Projekts, das 1952 in Paris mit der Gründung von RISM ins Leben gerufen wurde. RISM verfolgt das Ziel, bestehende musikalische Quellen weltweit zu dokumentieren, und hat mittlerweile über 1,5 Millionen Datensätze in seinen Archiven. Dabei werden nicht nur Handschriften erfasst, sondern auch Notendrucke, Musiktheorie und Libretti aus verschiedenen Institutionen, Archiven und privaten Sammlungen.
Die Rostocker Bestände sind nun unter dem Sigel D-ROu im RISM-Katalog zu finden. Auch die RISM Online API ermöglicht den Zugriff auf offene Daten, die einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Einige der Musikalien sind zudem bereits digitalisiert und in der Digitalen Bibliothek RosDok einsehbar und herunterladbar. Ein umfassendes Digitalisierungsprojekt soll in den kommenden Jahren sicherstellen, dass die Rostocker Musikhandschriften vollständig online verfügbar werden.
Ein Blick in die Zukunft
Das Projekt zur Erschließung der Rostocker Musikhandschriften ist nicht nur eine Bereicherung für die Musikwissenschaft, sondern auch ein Teil der Feierlichkeiten zur 70-jährigen Geschichte von RISM in Deutschland. Diese Meilensteine sind ein Zeichen für die anhaltende internationale Zusammenarbeit in der Musikwissenschaft und die technischen Fortschritte, die in den letzten sieben Jahrzehnten ermöglicht wurden. Im Rahmen dieser Feierlichkeiten wird im November 2025 eine interdisziplinäre Konferenz mit dem Titel „Musikdrucke im digitalen Wandel“ stattfinden, die Experten aus verschiedenen Disziplinen zusammenbringt.
Weitere Informationen über die Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Rostock können auf ihrer Website gefunden werden. Das Engagement zur Erschließung und digitalen Verfügbarkeit von musikalischen Quellen geht weiter: eine Initiative, die das kulturelle Erbe für zukünftige Generationen bewahren möchte.