Die Rückkehr eines wertvollen Stücks kulturellen Erbes steht bevor: Die Universität Tübingen hat bekannt gegeben, dass das kunstvoll geschnitzte Ahnenbild „Pou der Hinematioro“ an die Māori-Gemeinschaft Te Aitanga-a-Hauiti in Neuseeland zurückgegeben wird. Dieses bedeutende Ereignis wird im März 2026 vollzogen.
Das Pou, das vor 250 Jahren von der Māori-Herrscherin Hinematioro geschaffen wurde, gelangte 1771 durch den britischen Seefahrer James Cook nach Europa. Über Umwege fand es schließlich seinen Weg in die Ethnologische Sammlung der Universität Tübingen. Es misst einen Meter in der Höhe und 33 Zentimeter in der Breite und besteht aus rotem Tatara-Holz. Die geschnitzte Figur ist reich verziert und hat eine tiefgreifende spirituelle Bedeutung für die Māori-Gemeinschaft.
Kulturelle Bedeutung und Rückgabe
Die Rückgabe des Pous ist mehr als nur ein Akt der Restitution; es ist ein symbolischer Schritt zur Anerkennung der historischen Verantwortung von Institutionen gegenüber kolonial erworbenem Kulturgut. Wissenschaftsministerin Petra Olschowski betont die Wichtigkeit dieser Rückgabe und spricht von der Verantwortung der Universität Tübingen, solche Artefakte an ihre Ursprünge zurückzuführen. Rektorin Prof. Dr. Karla Pollmann unterstreicht die langjährige Beziehung zwischen der Universität und der Māori-Gemeinschaft.
Victor Walker, ein Sprecher der Māori-Gemeinschaft, beschreibt das Pou als ein bedeutendes Symbol ihrer Herrscherin und ihrer Vorfahren. Es wird nach der Rückgabe im heiligen Versammlungshaus, dem wharenui, aufbewahrt, wo es eine zentrale Rolle im kulturellen Leben der Gemeinschaft spielt.
Hintergründe zur Herkunft und Debatte
Die genaue Herkunft des Pous bleibt unklar, jedoch ist bekannt, dass James Cook 1769 in Neuseeland landete und von der Māori-Gemeinschaft empfangen wurde. Das Pou wurde der Universität Tübingen 1937 übergeben und erst in den 1990er Jahren wiederentdeckt, was die Debatte über die Herkunft und den Besitz von Kulturgütern in europäischen Museen weiter anheizte.
In den letzten Jahren hat die Diskussion über die Rückgabe von Kulturgütern an die indigenen Völker erheblich zugenommen. So stellte die neuseeländische Regierung im Jahr 2024 ein formales Restitutionsbegehren, und eine vorläufige Leihgabe des Pous an die Māori-Gemeinschaft wurde bereits 2019 vereinbart.
Um das Ereignis zu begleiten, wird bis zum 29. März 2026 eine Ausstellung mit dem Pou im Museum der Universität Tübingen zu sehen sein. Diese Ausstellung bietet Besuchern die Möglichkeit, sich intensiver mit dem kulturellen Erbe der Māori auseinanderzusetzen und die Bedeutung der Rückgabe zu verstehen.
Die Schritte, die die Universität Tübingen unternimmt, spiegeln ein wachsendes Bewusstsein für die kulturelle Verantwortung und die Relevanz von indigenem Erbe wider, während gleichzeitig die Stimmen der Māori-Gemeinschaft ins Zentrum gerückt werden.
Für weitere Informationen zu diesem Thema bietet die Universität Tübingen umfassende Einblicke in ihre Pressemitteilung, die sowohl die Rückgabe als auch die anhaltende Debatte über koloniales Erbe behandelt. Im Hinblick auf die kulturellen Spannungen und die historische Verantwortung ist der Rückfluss des Pous ein bedeutendes Ereignis für viele.
Die Universität Tübingen hat mit diesem Schritt nicht nur einen kulturellen Akt vollzogen, sondern auch ein Zeichen gesetzt, dass das Verständnis und die Wertschätzung für indigene Kulturen unerlässlich sind.
Für mehr Details und das vollständige Bild dieser bedeutenden Rückgabe können Sie die offizielle Mitteilung der Universität Tübingen auf deren Webseite nachlesen.