Am 26. Februar 2026 steht an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) ein spannendes Programm bevor. Ein Highlight ist die Buchvorstellung von Grzegorz Rossoliński-Liebe, einem Historiker und Viadrina-Absolventen. Das Buch mit dem Titel „Polnische Bürgermeister und der Holocaust. Besatzung, Verwaltung und Kollaboration“ wird am Dienstag, dem 3. März, um 19:00 Uhr in der Topographie des Terrors in Berlin präsentiert.
In seinem Werk beleuchtet Rossoliński-Liebe, welches Ausmaß die Täterschaft von Bürgermeistern in polnischen Städten während des Zweiten Weltkriegs angenommen hat. Dies geschieht durch umfassende Recherchen in polnischen und deutschen Archiven. Wichtige Stimmen der Wissenschaft sprechen bereits von einem unverzichtbaren Beitrag zur Holocaust-Forschung. Jan Grabowski, Professor an der University of Ottawa, beschreibt das Buch als innovative und instruktive Lektüre. Professor Antony Polonsky von der Brandeis University hebt die Bedeutung für das Verständnis der Mitschuld der lokalen Bevölkerung an der Shoah hervor. Weitere Experten stimmen dem zu, indem sie die zentrale Rolle der lokalen Verwalter in der Forschung zur nationalsozialistischen Besatzung betonen, wie beispielsweise die Sichtweise von Peter Romijn, ehemaliger Forschungsdirektor des NIOD in Amsterdam.
Anstehende Veranstaltungen
Zusätzlich zur Buchvorstellung organisiert die Viadrina eine Vielzahl öffentlicher Veranstaltungen. Am Mittwoch, dem 4. März, hält Prof. Dr. Charlotte Köhler einen Vortrag für die Kinderuni mit dem Titel „Routen, Daten & Bananen – Wie kommt der Supermarkt zu euch nach Hause?“. Dieser Vortrag richtet sich an Kinder zwischen 8 und 13 Jahren und findet um 16:00 Uhr im Gräfin-Dönhoff-Gebäude, Hörsaal 3 und 4 statt. Die Teilnahme ist kostenlos, während in der Mensa ein Essen für 1 Euro angeboten wird.
Am darauffolgenden Donnerstag, dem 5. März, gibt es eine Filmvorführung des Films „Attention: Children“, der um 18:30 Uhr im Gräfin-Dönhoff-Gebäude, Hörsaal 8, gezeigt wird. Der Film, der sich mit dem Leben von Kindern unter Kriegsbedingungen in der Ukraine beschäftigt, wird von der Regisseurin Svitlana Rudiuk präsentiert. Nach der Aufführung wird es eine Möglichkeit zur Fragenstellung per Videokonferenz geben. Diese Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit der Ökumenischen Studierendenarbeit Frankfurt (Oder), dem Allgemeinen Studierendenausschuss der Viadrina und dem Kompetenzverbund Interdisziplinäre Ukrainestudien Frankfurt (Oder)-Berlin (KIU) organisiert.
Kunst und Geschichtsbewusstsein
Parallel dazu wird bis zum 27. März eine Fotoausstellung im Hauptgebäude der Viadrina zu sehen sein. Sie thematisiert das zerstörte Kulturerbe in der Ukraine und zeigt 20 Fotos aus der Sonderkategorie „War Destroys Monuments“ des internationalen Fotowettbewerbs Wiki Loves Monuments. Diese Ausstellung soll das Bewusstsein für die Bedeutung des Erhalts kultureller Identität in Krisenzeiten schärfen.
Die Aktivitäten der Viadrina spiegeln das Engagement der Hochschule wider, sich intensiv mit historischen Themen auseinanderzusetzen. In der Forschung zum Holocaust wird deutlich, dass die Kollaboration in verschiedenen Formen bestand und nicht auf eine spezifische Gruppe beschränkt werden kann. Diese Perspektiven sind unerlässlich, um die komplexen Verstrickungen zwischen Besatzern und der einheimischen Bevölkerung zu verstehen, wobei Antisemitismus, Gruppendynamik und Angst oft zentrale Rollen spielten.
In der Forschung wird die Differenzierung zwischen „Kollaboration“ und „Kooperation“ hervorgehoben, da erstere die asymmetrischen Machtverhältnisse zwischen Besatzern und Besetzten adäquat beschreibt. Neuere Studien belegen, dass ohne diesen Begriff zahlreiche Aspekte des Zweiten Weltkriegs ungenau betrachtet werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die kommenden Veranstaltungen an der Viadrina nicht nur wichtige Bildungsangebote bereitstellen, sondern auch die Diskussion über die historische Verantwortlichkeit und die damit verbundenen Themen intensivieren. Mehr Informationen und eine vollständige Übersicht der Veranstaltungen sind auf europa-uni.de verfügbar.