Am 19. März 2026 findet ein bedeutender Fachtag zur inklusiven Schulentwicklung im Bildungsforum Potsdam statt. Die Veranstaltung, die von der Universität Potsdam und dem brandenburgischen Verband Sonderpädagogik e.V. organisiert wird, hat das Ziel, die Bildungschancen aller Kinder zu verbessern, unabhängig von deren Herkunft und individuellen Voraussetzungen. Prof. Dr. Michel Knigge, der als Professor für Inklusionspädagogische Schul- und Unterrichtsentwicklung tätig ist, leitet die Veranstaltung.
Besonders im Fokus stehen die Herausforderungen und Chancen der inklusiven Bildung. Der Fachtag bietet ein umfangreiches Programm aus Vorträgen und Workshops. Ein Highlight wird der Eröffnungsimpulsvortrag von Dr. Julian von Oppen sein, der die multiprofessionellen Steuerungsaufgaben in der inklusiven Schulentwicklung thematisiert. Die Veranstaltung richtet sich an Forschende, Studierende, Lehrkräfte und Fachkräfte der Sonderpädagogik sowie der Jugendhilfe.
Aktuelle Herausforderungen der inklusiven Bildung
Die inklusive Bildung ist nicht nur ein bildungspolitisches Ziel, sondern auch ein menschenrechtlicher Anspruch, der durch die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) verankert ist. Deutschland hat diese Konvention 2009 ratifiziert, jedoch zeigen die Entwicklungen in den letzten 15 Jahren, dass die Umsetzung hinter den Erwartungen zurückbleibt. So besuchen im Schuljahr 2023/24 55,9% der Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf Förderschulen, was die stagnierende Exklusionsquote verdeutlicht. Diese Situation wird weiter durch das selektive Bildungssystem und den Bildungsföderalismus verstärkt, die der UN-BRK nicht gerecht werden.
Ein Beispiel für die Herausforderungen ist das Beispielprojekt „LG+“, das Schulen und Jugendhilfe zur Unterstützung von Kindern mit sozial-emotionalen Entwicklungsverzögerungen zusammenbringt. Ebenso werden auf dem Fachtag von Fachleuten wie Christina Schneider (LIBRA) und Sandra Engels (Bildungsministerium) das Netzwerk „DenkInklusiv“ für berufsbildende Schulen vorgestellt.Noch zu oft werden Schüler*innen mit Migrationshintergrund und Förderbedarf überproportional häufig an Förderschulen unterrichtet. Dies ist nicht nur eine Frage der Bildungsgerechtigkeit, sondern auch eine Herausforderung, die zu größeren strukturellen Veränderungen im Bildungssystem führt.
Schlüsselthemen des Fachtags
Die Workshops während des Fachtags behandeln praxisnahe Ansätze, etwa die Entwicklung haptischer Materialien für den mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht. Auch Dr. Kathrin Kahmann wird das Thema systemisches Lerncoaching und die damit verbundenen Ansätze zur Inklusion und zur Reduzierung von Vertragsabbrüchen beleuchten. Kerstin Paul vom Lernbüro Potsdamer Schulzentrum wird über theoretisch-praktisch-inklusive Lernarrangements sprechen.
Vor dem Hintergrund der geschilderten Entwicklungen ist es evident, dass die inklusiven Bildungschancen in Deutschland transformiert werden müssen. Anforderung und Wunsch nach einer Umverteilung von Ressourcen stehen im Raum. Ein inklusives Schulsystem könnte nicht nur ökonomisch, sondern auch pädagogisch sinnvoll sein. Der Fachtag bietet eine Plattform, um Ideen weiter zu diskutieren und Lösungsansätze zu entwickeln.
Für Interessierte gibt es auf der Website der Universität Potsdam vollständige Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung. Im Kontakt steht Prof. Dr. Michel Knigge unter der Telefonnummer 0331/977-256157 und per E-Mail unter michel.knigge@uni-potsdam.de.
Die Diskussionen und Ergebnisse des Fachtags könnten entscheidend dazu beitragen, die inklusive Schulbildung in Deutschland voranzubringen und die bereits bestehenden Herausforderungen fundiert anzugehen. Die hohe Zahl der Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf und die zu hohe Exklusionsquote machen die Notwendigkeit eines Wandels im Bildungssystem offensichtlich. Ein inklusives Bildungssystem sollte die gleichwertige Teilhabe aller Kinder ermöglichen und ist somit das Ziel eines demokratischen Bildungssystems.