Am 14. Februar 2026 hat die Universität Kassel ein innovatives Projekt ins Leben gerufen, das sich den Herausforderungen und Chancen der regionalen Bio-Lebensmittelvermarktung widmet. Unter dem Namen InnOFoodLabs erproben mehrere Initiativen Lösungen zur Herstellung und Vermarktung von biologisch produzierten Lebensmitteln. Der Schwerpunkt liegt auf alternativen Vermarktungswegen, die durch enge Kooperationen zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und Verbrauchern geprägt sind. Diese innovativen Organisations- und Vertriebsmodelle werden in zwölf sogenannten Living Labs getestet, die als zentrale Felder für die praktische Erprobung fungieren.

Die Living Labs sind strategisch in Nordost-Brandenburg und im südlichen Bayern platziert. In diesen Regionen arbeiten verschiedene Akteure zusammen, um bestehende Lösungen an lokale Bedürfnisse anzupassen. Dr. Benedikt Jahnke von der Universität Kassel betont, dass Innovation nicht immer die Schaffung neuer Produkte bedeutet, sondern oft auch die Anpassung bewährter Konzepte an regionale Gegebenheiten darstellt. Das Projekt, geleitet von Dr. Jahnke und Prof. Dr. Katrin Zander, dokumentiert Fortschritte und Herausforderungen durch sogenannte Innovationstagebücher. Zudem fördert es den Austausch zwischen den Praxispartnern und unterstützt den Aufbau eines nachhaltigen Netzwerks.

Fokus auf Verbraucherforschung

Ein weiterer wichtiger Aspekt des InnOFoodLabs ist die Verbraucherforschung. Es wird untersucht, wie neue Bio-Produkte wahrgenommen werden und welche Faktoren Kaufentscheidungen beeinflussen. Dies ist besonders relevant in Anbetracht der EU-Zielsetzung, den Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen bis 2030 auf 25 Prozent zu erhöhen. Diese Initiative richtet sich insbesondere an landwirtschaftliche Betriebe und kleine bis mittlere Verarbeitungsunternehmen, deren Ziel es ist, regionale Wertschöpfung zu sichern und neue Marktchancen zu erschließen.

In Deutschland ruhen erfolgreiche Initiativen zur regionalen Lebensmittelversorgung auf starken Netzwerken, die diverse Akteure umfassen. Diese Netzwerke beinhalten unter anderem Ernährungsräte, die in vielen Städten und Gemeinden existieren. Die Mitglieder dieser Räte kommen aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik und arbeiten gemeinsam daran, das lokale Ernährungssystem nachhaltiger zu gestalten. Diese Ernährungsräte haben in zahlreichen Kommunen bereits zur Entwicklung von Ernährungsstrategien beigetragen. Zudem sind Regionalwert-AGs ein weiterer Weg, um die regionale Wirtschaft zu fördern, da sie Privatanleger ansprechen und Investitionen in lokale Unternehmen tätigen.

Nachhaltigkeit der Regionalisierung

Die Idee der Regionalisierung ist im Kontext eines nachhaltigen Ernährungssystems von zentraler Bedeutung. Es wird jedoch betont, dass es keine universelle Lösung für ein solches System gibt. Deshalb ist eine Kombination von regionalen Ansätzen mit anderen nachhaltigen Praktiken wichtig. Zu diesen zählen der Fokus auf pflanzliche Produkte, saisonaler Konsum und sozial gerechte Landwirtschaft. Trotz der hohen Akzeptanz regionaler Produkte, wie etwa bei Eiern (86% bevorzugen regionale Erzeugnisse), Obst und Gemüse (84%), zeigen Umfragen eine Diskrepanz zwischen wissenschaftlichem Wissen und Verbraucherwahrnehmung.

Regionale Lebensmittel sind häufig von einem positiven Image bezüglich Frische und kurzer Transportwege umgeben. Dennoch kann die Umweltbilanz durch ineffiziente Produktion gefährdet sein. Eine differenzierte Betrachtung der Regionalisierung ist deshalb unabdingbar. Die Nutzung von Labels wie geschützte geografische Angabe (g.g.A.) oder geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) spielt eine wichtige Rolle bei der Vermarktung regionaler Produkte und kann helfen, die Konsumenten für nachhaltige Auswahlentscheidungen zu sensibilisieren. Der Weg zu einem nachhaltigen Ernährungssystem ist komplex und erfordert kontinuierliche Anpassungen und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Insgesamt stehen die Projekte wie InnOFoodLabs nicht nur exemplarisch für eine notwendig gewordene Neuausrichtung in der Lebensmittelproduktion, sie sind auch ein Zeichen dafür, wie durch Kooperation und Innovation neue Wege für eine nachhaltige und regionale Ernährung aufgezeigt werden können. Die Universität Kassel und ihre Partner treten somit aktiv für eine nachhaltige Zukunft ein und tragen zur Stärkung der lokalen Wirtschaft bei. Die Herausforderungen sind groß, doch die Ansätze, die hier verfolgt werden, zeigen vielversprechende Perspektiven.