In einer aktuellen Studie der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) wird untersucht, wie der Einsatz von Mähaufbereitern die Insektenpopulationen in Deutschland gefährdet. Im Rahmen des Projekts EcoMow sollen Landwirte davon überzeugt werden, auf diese Maschinen zu verzichten, um die Biodiversität in artenreichen Wiesen zu fördern, und das ohne wirtschaftliche Einbußen. Die Studie thematisiert den kritischen Rückgang der Insektenpopulationen, die für Landwirtschaft und Ökosysteme von zentraler Bedeutung sind.

Ein Hauptproblem ist die Rückwirkung der hochintensiven Landwirtschaft auf die Insektenvielfalt. Laut dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) wird die Öffentlichkeit seit 2017 durch eine Studie des Entomologischen Vereins Krefeld auf das Insektensterben aufmerksam. Diese ergab einen alarmierenden Rückgang der Biomasse von Fluginsekten um 80 Prozent zwischen 1989 und 2013. Etwa 30 Prozent der Insektenarten in Deutschland sind mittlerweile bedroht oder bereits ausgestorben, was etwa 10.000 von 33.000 Arten entspricht.

Die Rolle der Mähaufbereiter

Mähaufbereiter sind Maschinen, die das Schnittgut nach dem Mähen schneller trocknen. Dabei zerquetschen sie jedoch auch zahlreiche Insekten, was zu einem weiteren Rückgang dieser wichtigen Tiergruppe beiträgt. Dies ist ein weiterer Aspekt, den die Studie an der BTU untersucht. Um langfristig eine Lösung für die nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung zu finden, werden ökologisch-ökonomische Modelle entwickelt, die die Verbindung zwischen ökologischen Zielen und wirtschaftlichen Interessen der Landwirte fördern sollen.

Die bisherigen Erkenntnisse verdeutlichen die Notwendigkeit einer Veränderung in der Landwirtschaft. Laut dem NABU ist die Lebensraumverschlechterung durch intensive Landwirtschaft, große Felder ohne Ackerwildkräuter und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, insbesondere von Herbiziden und Insektiziden, alarmierend. Diese Praktiken haben in den letzten Jahren zur Bedrohung zahlreicher Insektenarten beigetragen.

Bedeutung der Insekten für Ökosysteme und Wirtschaft

Insekten sind für die Funktionsfähigkeit der Ökosysteme unverzichtbar und spielen eine entscheidende Rolle in der Bestäubung. Rund 80 Prozent der Wild- und Kulturpflanzenarten sind auf Insekten angewiesen, insbesondere auf Wildbienen. Der ökonomische Wert, den die Bestäubung durch Insekten in Deutschland hat, wird auf etwa 3,8 Milliarden Euro geschätzt. Darüber hinaus tragen Insekten zur Bodenfruchtbarkeit bei und sind entscheidend für die Selbstreinigung von Gewässern.

Um die bedrohten Insektenpopulationen zu schützen, strebt die BTU Lösungen an, die eine finanzielle Entschädigung für Landwirte beinhalten, die in biologisch vielfältigen Regionen auf Mähaufbereiter verzichten. Diese Entschädigungen sind Teil der Bemühungen, eine naturverträgliche Landwirtschaft voranzutreiben und die Biodiversitätsziele auch bei begrenzten Budgets zu erreichen. Kristin Ebert, Verantwortliche für Kommunikation und Marketing an der BTU, steht für weitere Informationen zur Verfügung.

Insgesamt leiden Insektenpopulationen unter den vielfältigen Belastungen der modernen Landwirtschaft. Die Entwicklungen in der BTU-Studie könnten entscheidend für die Zukunft der Insekten sowie für die gesamte landwirtschaftliche Praxis in Deutschland sein. Ein Umdenken in der Landwirtschaft ist laut NABU dringend erforderlich, um das Insektensterben zu stoppen und langfristig nachhaltige Lösungen zu finden.