Seit dem 1. Januar 2026 gelten neue Regelungen für den Wehrdienst in Deutschland. Diese Umstellungen betreffen vor allem junge Menschen im Alter von 15 bis 30 Jahren, die künftig einen Fragebogen zur Motivation und Eignung ausfüllen müssen, wenn sie zum Wehrdienst herangezogen werden. Die Regelungen für junge Frauen bleiben hingegen bislang freiwillig. Diese Veränderungen stehen im Kontext einer bundesweiten Onlinebefragung, die Wissenschaftler*innen der Universität Hildesheim und der Goethe-Universität Frankfurt durchführen. Das Forschungsteam, bestehend aus PD Dr. Severine Thomas, Dorothee Kochskämper und Dr. Johanna Wilmes, möchte die Meinungen und Gefühle junger Menschen zur neuen Wehrdienstregelung sowie zur aktuellen Sicherheitslage ermitteln. Die Befragung dauert etwa 10 Minuten und endet am 27. März 2026. Frühere Studien zeigen, dass viele junge Menschen sich von der Politik ungesehen fühlen und Sorgen um ihre Zukunft haben, insbesondere im Hinblick auf die aktuellen globalen Krisen wie die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg.
Politikwissenschaftlerin Pia Jaeger von der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendpolitik am Deutschen Jugendinstitut hebt hervor, dass die junge Generation in Deutschland vor großen Herausforderungen steht, die über den Wehrdienst hinausgehen. Sie sieht dringenden Handlungsbedarf, da die Belange junger Menschen in der politischen Agenda oft unterrepräsentiert sind. Es herrscht ein Ungleichgewicht: Die ältere Generation profitiert überproportional von sozialpolitischen Maßnahmen, während viele junge Menschen unter Existenzängsten und psychischen Belastungen leiden, die durch wirtschaftliche Unsicherheiten verstärkt wurden. Der Druck, der auf der jungen Generation lastet, wird durch die steigenden Anforderungen an soziale Sicherungssysteme zusätzlich erhöht.
Ein Ruf nach Mitbestimmung
Der Bundesjugendring (DBJR) hat ebenfalls die neue Gesetzeslage zum Wehrdienst in den Blick genommen und fordert eine aktive Mitbestimmung junger Menschen. DBJR-Vorsitzende Daniela Broda kritisiert die Beschlüsse des Bundeskabinetts zur Modernisierung des Wehrdienstes als Entscheidungen über die Köpfe junger Menschen hinweg. Der DBJR fordert unter anderem die Streichung verpflichtender Erfassungs- und Musterungsregelungen und eine stärkere Einbindung junger Bürger in politische Debatten, die ihre Lebensrealitäten betreffen. Eine gleichwertige Förderung freiwilligen zivilgesellschaftlichen Engagements ohne Bevorzugung des Wehrdienstes wird ebenfalls gefordert.
Die Forderungen des DBJR zielen darauf ab, die Solidarität zwischen den Generationen zu wahren und die angespannten sozialen Verhältnisse zu entschärfen, die durch ein Gefühl der Ungerechtigkeit gekennzeichnet sind. Wenn junge Menschen nicht in die politischen Entscheidungsprozesse einbezogen werden, könnte die Grundidee des Generationenvertrages, der auf Solidarität basiert, gefährdet sein. Die Bundestagsberatungen zur künftigen Ausgestaltung des Wehrdienstes beinhalten Expertenanhörungen, doch das Einbringen junger Perspektiven wird als entscheidend für einen gerechten und zukunftsfähigen sozialen Ausgleich erachtet.