Rechtswissenschaften werden häufig als ein eher trockenes Studienfeld angesehen, das stark auf Schriftlichkeit und theoretisches Wissen fokussiert ist. Ein Seminar an der Universität Greifswald, mit dem Titel „Rhetorik im Jurastudium“, hat es sich jedoch zur Aufgabe gemacht, die essenzielle Verbindung zwischen juristischem Lernen und Kommunikation herzustellen. In diesem Seminar erlernen die Studierenden, komplexe rechtliche Sachverhalte sowohl schriftlich als auch mündlich verständlich und überzeugend zu vermitteln. Seminarleiter Thilo Tröger hebt hervor, dass die kommunikative Kompetenz neben fachlichem Wissen für die Berufspraxis entscheidend ist. Jurist*innen müssen in der Lage sein, wirkungs- und adressatenorientiert zu sprechen und dabei auch die Körpersprache sowie den Sprechausdruck zu beachten, um erfolgreich zu sein.

Die Studierenden des Seminars präsentieren ihre juristischen Themen in fünfminütigen Kurzvorträgen, die gezielt für ein Laienpublikum entwickelt wurden. Eine wichtige Methode dabei ist die Verwendung von Visualisierungen, die ebenfalls zur besseren Verständlichkeit beitragen. Das Feedback von Kommunikationswissenschaftlern stellt einen wertvollen Realitätscheck für die angehenden Jurist*innen dar. Dr. Martha Kuhnhenn, die an der Veranstaltung beteiligt ist, betont den Mehrwert des wertschätzenden und konkreten Feedbacks, welches den Studierenden hilft, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln.

Kompetenzen stärken durch praktische Anwendung

Die Jurastudentin Linh Michelle Nguyen äußert sich positiv über die Kooperation im Seminar, wünscht sich jedoch zusätzliches juristisches Feedback, um das Verständnis für die rechtlichen Themen zu vertiefen. Das Seminar verdeutlicht in seiner Gesamtheit, dass juristisches Wissen nur dann Wirkung entfaltet, wenn es verständlich vermittelt wird, was für die angehenden Jurist*innen von enormer Bedeutung ist.

Im Kontext von Rhetorik und Rechtswissenschaft bietet die Universität Tübingen ein ergänzendes Programm, das als „Recht und Rhetorik“ bekannt ist. Dieses Programm hat zum Ziel, die Überzeugungsbildung im juristischen Bereich zu vermitteln und legt theoretische Grundlagen in semesterbegleitenden Vorlesungen, gefolgt von praktischen Anwendungen in Seminaren. Der Austausch zwischen den Studierenden der Rechtswissenschaft und der Rhetorik fördert dabei das gegenseitige Verständnis und bereichert das Lernen.

Die Teilnahme am Programm steht Studierenden der Rechtswissenschaft oder Rhetorik im Hauptfach offen. Studierende anderer Hauptfächer können teilnehmen, sofern ein Kooperationsabkommen mit der Juristischen Fakultät oder dem Seminar für Allgemeine Rhetorik besteht. Bemerkenswert ist, dass keine vorherigen juristischen Kenntnisse erforderlich sind, was das Programm auch für Rhetorik-Studierende zugänglich macht.

Die gesamte Initiative zeigt, wie wichtig die Integration von Rhetorik in das Jurastudium ist, um die Kommunikationsfähigkeit der zukünftigen Jurist*innen zu stärken. In diesem Sinne wurde kürzlich auch die zweite Auflage des Lehrbuchs „Rhetorik im Jurastudium. Recht reden.“ in der Reihe NomosStudium veröffentlicht. Dieses Buch vermittelt zentrale Schlüsselkompetenzen, die für die Praxis unerlässlich sind und etwas Licht auf einen oft als schroff empfundenen Studienbereich werfen.

Für weitere Informationen stehen Thilo Tröger und Dr. Martha Kuhnhenn an der Universität Greifswald zur Verfügung. Währenddessen engagiert sich die Universität Tübingen in der vielseitigen Vermittlung von rhetorischen Fähigkeiten in juristischen Kontexten, was sowohl für Anwälte, Rechtsjournalisten, Pressesprecher als auch für Rhetorik-Coaches von Bedeutung ist. Die Synergien zwischen beiden Institutionen zeigen das wachsende Bewusstsein für die Rolle der Kommunikation in der Rechtswissenschaft.

uni-greifswald.de berichtet, dass das Seminar „Rhetorik im Jurastudium“ eine innovative Lösung für die Herausforderungen im Rechtsstudium bietet. Das Programm „Recht und Rhetorik“ an der uni-tuebingen.de fördert zusätzlich das Zusammenspiel von Theorie und Praxis und zeigt, wie wichtig kommunikative Fähigkeiten in der heutigen juristischen Landschaft sind.