Am 13. Februar 2026 präsentierte Jun.-Prof. Dr. Charlotte Förster von der Technischen Universität Chemnitz die Ergebnisse der länderübergreifenden K.O.-Tropfen-Studie „Don’t knock me out“. Diese Studie untersucht die Bekanntheit, Erfahrung und den Umgang mit K.O.-Tropfen im deutschsprachigen Raum. Die gesammelten Daten stammen aus 1.288 Befragungen in Deutschland, wobei 527 Personen angaben, den Verdacht auf „Drink Spiking“ gehabt zu haben. Auffällig ist, dass nur 17% dieser Betroffenen ärztliche Hilfe in Anspruch nahmen, während 11% die Polizei informierten. Die Mehrheit der Befragten wandte sich stattdessen an vertraute Personen wie Familie und Freunde.
Die Studie deckt ein alarmierendes Muster auf: 20% der Befragten mit Verdacht haben niemandem von ihrem Erlebnis erzählt, was durch Scham und Unsicherheit über angemessenes Verhalten verstärkt wird. Diese Ergebnisse stimmen mit vorherigen Studien überein, die zeigen, dass Gewalterfahrungen häufig nicht angezeigt werden. Zudem gaben 65% der Befragten an, dass die Aufklärung über K.O.-Tropfen unzureichend ist.
Aufklärung und Prävention
71% der Teilnehmenden fühlen sich nicht ausreichend über Präventionsmöglichkeiten informiert. Bildungseinrichtungen, Ausgeh-Locations und öffentliche Institutionen wurden als die wichtigsten Akteure für die Aufklärung identifiziert, wobei 76% der Befragten diese Verantwortung anerkennen. Insbesondere wird ein großes Bedürfnis nach mehr Aufklärung in Ausgeh-Locations (90%) und Bildungseinrichtungen (86%) geäußert.
Die bevorzugten Aufklärungswege beinhalten Schulunterricht, Social Media, und Internetressourcen, was auf einen modernen Ansatz zur Wissensvermittlung hinweist. Zu den wichtigsten Themen für die Aufklärung zählen Nachweisbarkeit (77%) und Schutzmöglichkeiten (72%). Die Umfrage läuft weiterhin und richtet sich an Personen ab 14 Jahren in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bislang wurden mehr als 2.500 Rückmeldungen gesammelt, unterstützt von Saatchi & Saatchi sowie dem Frauennetzwerk IVY Female Collective.
Gesellschaftliche Verantwortung
Die Bedeutung des Themas wurde durch die Aussagen von Experten in den Medien verstärkt. K.O.-Tropfen, die farblos und geschmacklos sind, werden häufig missbraucht, um Menschen willenlos zu machen. Dieser Missbrauch kann zu Raubüberfällen, Unfällen und Vergewaltigungen führen. Anwalt Jochen Link betont, dass dieses Problem oft unterschätzt wird. Darüber hinaus zeigen viele Opfer ihre mutmaßlichen Straftaten nicht an, was zu einer Lücke in belastbaren Statistiken führt. Psychologin Charlotte Hirz und Betroffene berichten von Scham, Schuldgefühlen und dem Gefühl, nicht geglaubt zu werden.
Die Politik reagiert auf die Problematik und plant höhere Strafen für Raub- und Sexualstraftaten unter Einfluss von K.O.-Tropfen. Allerdings ist der Nachweis solcher Taten eine Herausforderung. In diesem Kontext initiierten Felix Betzler von der Charité in Berlin und Dr. med. Twyla Michnevich eine Studie, die sich mit Vorkommen und Auswirkungen von „Spiking“ beschäftigt.
Zusätzlich lehnt Prof. Dr. Bernd Werse, Suchtforscher an der Frankfurt University of Applied Sciences, pauschale Verbote psychoaktiver Substanzen ab und fordert eine bessere Regulierung und intensivere Forschung. Seine Expertise kommt in der Debatte um gefährliche Chemikalien wie Gamma-Butyrolacton (GBL) und 1,4-Butandiol (BDO) zur Geltung. Werse plädiert für eine Apothekenpflicht und Warnhinweise, um den Missbrauch dieser Substanzen einzudämmen. Er warnt aber auch vor der Kriminalisierung von Konsumenten und betont die Notwendigkeit von Präventionsmaßnahmen.
Erforderlich sind umfassende Aufklärung und Prävention, um den Missbrauch von K.O.-Tropfen zu reduzieren und betroffenen Personen zu helfen. Die steigende Nachfrage nach Wissen und Aufklärung in der Bevölkerung ist ein positives Zeichen und zeigt, dass das Thema ernst genommen wird. Die fortgesetzte Forschung und die politische Diskussion sind entscheidend, um effektive Lösungsansätze zu entwickeln.
Technische Universität Chemnitz berichtet, dass …
ZDF beschreibt den Missbrauch von K.O.-Tropfen und deren Auswirkungen …
Frankfurt University of Applied Sciences weist auf die Notwendigkeit besserer gesetzlicher Regelungen hin …