Im Großraum Sydney haben Kakadus bemerkenswerte Fähigkeiten entwickelt: Sie öffnen Mülltonnendeckel, um an Nahrungsreste zu gelangen. Dieses Verhalten ist Teil einer umfassenden Diskussion über die Anpassungsfähigkeit von Tieren, die Verhaltensbiologen Norbert Sachser und Niklas Kästner in ihrem neuen Buch „Tiere am Limit“ thematisieren. In einem Interview drücken die beiden Wissenschaftler die Besorgnis über die derzeitige Krise im Anthropozän aus. Diese Krise, resultierend aus einem Anstieg der Treibhausgasemissionen, der Erderwärmung sowie häufigeren Wetterextremen, stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Biodiversität dar berichtet die Universität Münster.

Die Folgen sind erheblich: Während fast die Hälfte der Insekten- und Wirbeltierarten stabile Bestände verzeichnet, ist der Rückgang bei den anderen Arten besorgniserregend. Lediglich 3% der Arten zeigen steigende Bestandszahlen. Die Gefahr eines weiteren Massenaussterbens ist weiterhin real. In diesem Kontext beleuchten Sachser und Kästner zwei wesentliche Anpassungsstrategien bei Wildtieren: die evolutionäre Anpassung, wie sie beispielsweise bei Killifischen beobachtet wird, die sich an hohe Schadstoffkonzentrationen angepasst haben, sowie die phänotypische Plastizität, die unter anderem bei Gelbhauben-Kakadus evident wird, die Mülltonnendeckel öffnen, um Futter zu finden.

Anpassungskapazitäten und Biodiversität

Ein weiterer Fokus der Diskussion liegt auf der Anpassungskapazität von tierischen Spezies, insbesondere in Deutschland. Eine Untersuchung, die vom Bundesamt für Naturschutz (BFN) in Auftrag gegeben wurde, analysierte 50 naturschutzfachlich wichtige Tierarten. Diese Studie zeigt, dass der Klimawandel der Hauptgrund für den Rückgang der globalen Biodiversität ist. In Deutschland verfolgt man das Ziel, die Auswirkungen des Klimawandels auf die biologische Vielfalt zu minimieren informiert das BFN.

Die Untersuchung hebt hervor, dass viele Arten besonders sensibel auf die klimatischen Veränderungen reagieren und artspezifische Schutzmaßnahmen benötigen. Effektive Strategien erfordern die Optimierung von Lebensräumen, insbesondere in strukturreichen, alten Laubwäldern mit hohem Totholzanteil. Ferner sind spezifische Habitate wie Moore, Quellen und feuchtes Grünland essentiell für den Schutz dieser Arten. Darüber hinaus ist das Vorhandensein von unterschiedlichen Mikroklimaten von großer Bedeutung, um die Anpassungsfähigkeit der Arten zu unterstützen.

Invasive Arten und ihre Kontrolle

Ein zentrales Problem in der Diskussion über den Klimawandel ist die Bedrohung durch invasive Arten. Der Umgang mit diesen betrifft mehrere Ebenen, einschließlich Prävention, Monitoring sowie Akzeptanz und Bekämpfung. Aufklärung und Bewusstseinsbildung sind wichtig, um die Ausbreitung gebietsfremder Arten zu verhindern. Diverse Maßnahmen, wie die Behandlung von Ballastwasser und die Verordnung über invasive Arten, sind entscheidend, um die heimische Biodiversität zu schützen stellt das Umweltbundesamt fest.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Monitoring der Bestände und der Früherkennung invasiver Arten, um rechtzeitig eingreifen zu können. Sofortmaßnahmen zum Schutz heimischer Ökosysteme sind durch das Bundesnaturschutzgesetz geregelt. Die Herausforderung bleibt, dass viele invasive Arten sich mittlerweile so gut integriert haben, dass eine Bekämpfung in vielen Fällen kaum noch möglich ist und oft nur punktuell erfolgen sollte.

Insgesamt zeigen die aktuellen Forschungsergebnisse, dass die Anpassungsfähigkeit von Tieren und der Verlust der Biodiversität eine dringende Handlungsaufforderung an die Gesellschaft darstellen. Die fitteren und anpassungsfähigeren Arten könnten sich durchsetzen, während die weniger anpassungsfähigen bald gefährdet sind. Zwar gibt es Fortschritte im Tierschutz, jedoch betonen Sachser und Kästner, dass der Einsatz der Wissenschaftskommunikation unerlässlich ist, um die notwendigen Veränderungen herbeizuführen.