Das Projekt „ZUKUNFT“ der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) erhält in diesem Jahr eine Förderung in Höhe von rund 249.000 Euro aus dem Programm „Soziale Innovation“ des Landes Niedersachsen. Der Förderbescheid wurde am 29. Januar 2026 von Ottmar von Holtz, dem Landesbeauftragten für regionale Landesentwicklung Leine-Weser, an Professorin Dr. Sandra Steffens, Leiterin des Skills Lab, übergeben. Ziel des Projekts ist es, den Praxisbezug im Medizinstudium zu erhöhen und den Nachwuchs für den Arztberuf zu gewinnen, um der drohenden Ärztemangel-Situation entgegenzuwirken.

Das Projekt wird als Wahlfach angeboten und kooperiert mit Lehrpraxen sowie Seniorenresidenzen im Raum Hannover, unter anderem mit der Rheumatologischen Praxis Hannover. Professorin Dr. Steffens erklärte, dass das Programm Medizinstudierende direkt mit älteren und chronisch kranken Menschen in Kontakt bringen soll. Dies soll nicht nur die Versorgung verbessern, sondern auch die Qualität der Ausbildung fördern.

Medizinstudienplätze im Ungleichgewicht

Parallel zu den Bemühungen der MHH verdeutlicht eine Analyse des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), dass die Anzahl der Medizinstudienplätze in Deutschland zu gering ist, um den bestehenden Ärztemangel nachhaltig zu bekämpfen. Für das Wintersemester 2024/25 erhielten lediglich rund 10.000 Erstsemester einen Medizinstudienplatz, während etwa 20.000 Bewerbende leer ausgingen. Insbesondere in den Bundesländern Brandenburg und Bremen gibt es kein staatliches Studienangebot für Medizinstudienplätze.

Die Analyse zeigt auffällige Unterschiede zwischen den Bundesländern. Nordrhein-Westfalen stellt die meisten Medizinstudienplätze zur Verfügung und hat mit 2.334 Erstsemestern eine mittlere Anzahl von 13 Medizinstudienplätzen je 100.000 Einwohner. Im Gegensatz dazu verfügen das Saarland und Mecklenburg-Vorpommern über die höchsten Anteile mit 29 bzw. 26 Medizinstudienplätzen pro 100.000 Einwohner. Diese Verteilung hat direkte Auswirkungen auf die ärztliche Versorgung in den jeweiligen Regionen.

Herausforderungen durch hohe Kosten

Die hohe Kostenbelastung für medizinische Fakultäten ist eine der Hauptursachen für die ungleiche Verteilung der Medizinstudienplätze in den Bundesländern. Die laufenden Ausgaben pro Jahr und Person belaufen sich auf etwa 25.000 Euro im Bereich Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften. Trotz eines leichten Anstiegs der Medizinstudienplätze in den letzten zehn Jahren von gut 9.000 auf rund 10.000, ist der Bedarf an neuen Fachkräften weiterhin nicht gedeckt.

Wenigstens 9.100 Deutsche studieren derzeit Medizin im Ausland, was den Druck auf die heimische Ausbildung weiter steigert. Die Neugründungen von medizinischen Fakultäten und privaten Hochschulen reichen nicht aus, um den Fachkräftemangel zu beheben. Vor diesem Hintergrund ist es von fundamentaler Bedeutung, innovative Ansätze wie das Projekt „ZUKUNFT“ und die KI-gestützte Plattform „AWI“ zu fördern, die mit weiteren 217.000 Euro unterstützt wird und darauf abzielt, die Einarbeitungszeit neuer Mitarbeitender zu verkürzen und die Versorgungsqualität zu verbessern.

Die Richtlinie „Soziale Innovation“ zielt darauf ab, innovative Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln. Zu den wichtigsten Themenbereichen gehören die „Arbeitswelt im Wandel“ und die „Soziale Daseinsvorsorge“, beide entscheidend für die Verbesserung des Zugangs zu hochwertigen Gesundheits- und Sozialleistungen. Die Projekte, wie etwa „ZUKUNFT“ und „AWI“, sollen die vorhandenen Strukturen verbessern und auf andere Regionen übertragbar sein.